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Allet Jute, SEZ: Bündnis »SEZ für alle« will Abgeordnete ins frühere DDR-Erholungszentrum locken
Stau, Stau, Stau auf der Autobahn: A100-Brücke am Funkturm wird gesperrt und löst Chaos aus
Daumen drücken für die Wagenlieferung: BVG und S-Bahn richten sich dank Stadler-Krise auf weitere Verzögerungen ein
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Ostberlin und Westberlin – sie beide haben ihre Ikonen, nur manchmal ergeht es der einen besser als der anderen. So laufen am Kurfürstendamm seit gestern die Vorbereitungen zu Ehren des Schauspielers und Entertainers Harald Juhnke. 20 Jahre nach dessen Tod möchte die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf einen Platz an der Vorzeigeallee nach Juhnke benennen, der obendrauf vom Hauptstadt-Regenten Kai Wegner (CDU) als »Berliner Original« gekürt wird. Währenddessen sieht eine Ikone in Friedrichshain-Kreuzberg ihrem Ende entgegen.
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Na gut, das altehrwürdige Sport- und Erholungszentrum der DDR (SEZ) trat »zu Lebzeiten« vielleicht nicht so häufig im Fernsehen auf wie Juhnke. Unterhalten hat es viele Ostberliner*innen aber trotzdem, die sich bis heute gerne an Schwimmbad, Kegelbahn und die sonstigen Angebote des SEZ zurückerinnern. Nun aber steht der architektonisch bemerkenswerte Gebäudekomplex vor dem Abriss. Jahrelanger Verfall, nach dem Verkauf an einen Investor, haben der DDR-Ikone zugesetzt. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM, die mittlerweile die Kontrolle über das Gebäude hat, verkündete zuletzt, dass das Gebäude nicht mehr zu retten sei.
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Deutlich anderer Meinung ist da Susanne Lorenz von »SEZ für alle«, die sich, wie alle anderen in der Initiative, für den Erhalt des historischen Bauwerks an der Landsberger Allee einsetzt. Dass im SEZ hauptsächlich Müll, Fäkalien und Gefahren für die eigene Gesundheit lauern, weist sie zurück. »Wir haben diese Ankündigung als verzweifelten Versuch der WBM wahrgenommen, das ganze Thema irgendwie loszuwerden«, sagt sie dem »Muckefuck«. Natürlich gebe es einzelne Bereiche im SEZ, an denen sich Müll und Bauschutt befänden, doch belastbare Angaben zum Gesamtzustand der Bausubstanz gebe es nach wie vor nicht. »Ein Gebäude ist ja nicht abrissreif, nur weil man da putzen und aufräumen müsste.«
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Lorenz bleibt dabei: Ein Abriss und Neubau des ehemaligen Erholungszentrums wäre teurer als eine Sanierung. Auch das Bündnis kann kein Gutachten vorlegen, beruft sich aber auf Schätzungen von Architekt*innen, denen zufolge sich die Kosten auf rund 50 Millionen Euro belaufen dürften. Nun will »SEZ für alle« Berliner Abgeordnete des Sportausschusses in den Gebäudekomplex lotsen, um den Abriss doch noch abzuwenden. Das Interesse, so Lorenz, sei da. Die WBM allerdings warnt vor dem Betreten des Gebäudes. »Wir haben den Eindruck, dass die WBM verhindern möchte, dass die Leute von innen sehen, wie beeindruckend das SEZ ist«, sagt Lorenz.
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Und so lautet dann auch das Motto der Demonstration, zu der das Bündnis am kommenden Samstag, nachträglich zum 44. Geburtstags des Baus, einlädt: »Macht das SEZ wieder auf!« Geplant sind unter anderem Reden von den Abgeordneten Damiano Valgolio (Linke) und Vasili Franco (Grüne) sowie von Expert*innen, die sich für die Rettung des SEZ einsetzen. Alles Weitere verklickert euch der »Muckefuck« weiter unten im heutigen Veranstaltungshinweis.
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Bild des Tages
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Panda, ick hör dir trapsen: Erster Ausflug der Zwillinge Leni und Lotti im Berliner Zoo | Foto: dpa/Carsten Koall
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Deutlich weniger Zweifel scheint es hingegen an der Baufälligkeit der Autobahnbrücke über die Ringbahngleise im Ortsteil Westend, die seit Mittwochabend gesperrt ist. Grund ist ein Riss in der Brücke, der Verantwortlichen große Sorge bereitet. Den Riss gibt es wohl schon länger, wirklich geplant war die Vollsperrung der wichtigen Brücke, die jetzt im Westen der Stadt für einiges Chaos auf der Straße sorgt, allerdings nicht.
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»So schnell, wie es nur irgend möglich ist« will die Autobahn GmbH das Problem beheben. Nur darüber, was genau »schnell« bedeuten soll, herrscht offenbar Uneinigkeit. Während zuvor noch im RBB von rund zwei Jahren die Rede war, heißt es nun, die Angelegenheit könne unter Umständen kürzer, unter anderen Umständen aber auch länger dauern. Unsere rasende Reporterin Lola Zeller war gestern für euch auf der eilig einberufenen Pressekonferenz und kennt alle Details zum verkehrspolitischen Supergau.
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Verkehrskrise ist derweil genauso auf den Gleisen in der Hauptstadt angesagt. Auch hier müsste es eigentlich alles ganz flott gehen. Schnellstmöglich sollen die 1500 U-Bahn-Wagen eintreffen, die die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einst beim Schweizer Bahnhersteller Stadler in Auftrag gegeben haben. De facto sind allerdings noch nicht einmal 500 von ihnen bei der BVG eingetroffen.
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Ähnliche Probleme hat die von der Deutschen Bahn betriebene S-Bahn. Hier warten die Zuständigen seit mehr als vier Jahren auf die Ausschreibung für neue S-Bahn-Wagen, für ganze zwei Drittel des Berliner Netzes. Besserung scheint nicht in Sicht: Der Konzern Stadler befindet sich mitten in der Krise, die Belegschaft seines Werk in Pankows muss sich auf harte Zeiten einstellen. Wie der schwarz-rote Senat nun auf die angespannte Lage reagiert, weiß unser Verkehrsexperte Nicolas Šustr.
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Wünscht euch ein Wochenende, das in erhofften Bahnen verläuft:
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Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
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Was heute noch wichtig ist:
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Gegen »rechten Terror« demonstrierten am Mittwochabend rund 200 Menschen im Berliner Ortsteil Neu-Hohenschönhausen. Anlass war eine Hetzjagd von Neonazis auf Schüler*innen.
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Robin Maxime Pohl
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Die Senatsverwaltung für Inneres präsentierte am Donnerstag die neueste Kriminalitätsstatistik. Insgesamt stieg die Kriminalität im Vergleich zu 2023 kaum an – mit einzelnen Ausnahmen.
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Jule Meier
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Vor 80 Jahren befreiten sowjetische und polnische Truppen die KZ Sachsenhausen und Ravensbrück sowie das Zuchthaus Brandenburg. Die Gedenkstätten feiern das runde Jubiläum Anfang Mai.
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Andreas Fritsche
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»Wer gegen den Rechtsruck kämpfen will, muss das überall, egal ob an der Schule, in der Uni oder im Betrieb.«
Leon (16) Schüler, der von Neonazis gejagt wurde
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Um eine friedliche Straßenblockade aufzulösen, setzte die Berliner Polizei Schmerzgriffe ein. Zu Unrecht, entschied nun das Verwaltungsgericht. Die prinzipielle Zulässigkeit von Schmerzgriffen stellte es nicht infrage.
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Wenn wir ein bisschen weniger arbeiten würden, wäre uns allen geholfen, ist Eike Windscheid-Profeta von der Hans-Böckler-Stiftung überzeugt. In den Koalitionsverhandlungen geht es indes primär um längere Arbeitszeiten.
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Sarah Yolanda Koss
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Viele langjährige Abgeordnete aus der bisherigen Linke-Bundestagsgruppe haben nicht mehr kandidiert. Zwei von ihnen sind Parlaments-Vizepräsidentin Petra Pau und der Rentenexperte Matthias W. Birkwald.
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Wolfgang Hübner
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Samstag, 22. März um 14 Uhr
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Landsberger Allee 77 / Ecke Danziger Straße
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Das Bündnis »SEZ für alle« lädt am Samstag zum nachträglichen Geburtstag des altehrwürdigen Sport und Erholungszentrum der DDR ein und rufen zur Demo auf: Nach nur drei Monaten einer erfolgreichen Nutzung des SEZ für Sport und Kultur unter der Schirmherrschaft des Landes Berlin hat die BIM die Zwischennutzungen beendet. Ein Baubeginn braucht noch viele Jahre. Aber durch einen frühen Abrissbeginn sollen scheinbar Fakten geschaffen werden. Für diesen wichtigen innerstädtischen Bereich gab es nie einen Wettbewerb, nur Hinterzimmerplanungen. Ein kreativer Planungsprozess muss dringend nachgeholt werden! Wir fordern deshalb ein Fünf-Jahre-Moratorium mit Zwischennutzung und einen Planungsprozess mit Machbarkeitsstudien und Ideenwettbewerb zur städtebaulichen Zukunft des Areals! Das SEZ ist ein Ort voller Möglichkeiten für eine lebenswerte Stadt. Berlin braucht Orte wie diesen. Wir laden deshalb alle ein, gemeinsam mit uns zu feiern und zu demonstrieren.
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Video des Tages
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