Muckefuck. Berlin. Links. Ungefiltert.

Dienstag, 14. Oktober 2025

Kein Scheiß:
Berlin intensiviert Kontrollen gegen Hundekot-Verschmutzung

Koloniale Metropole:

Stadtkonzept »Kolonialismus erinnern« fordert mehr Gedenkorte in Berlin

Blaue Welle gebrochen:
AfD geht bei Bürgermeisterstichwahlen in Brandenburg leer aus
Patrick Volknant
Guten Morgen,

es gibt so Tage, da kann der »Muckefuck« eigentlich nur scheiße werden. Schuld daran ist, zumindest heute, die Berliner Verwaltung: Unter dem Motto »Haufenweise Kontrollen« starten sämtliche Ordnungsämter des Landes eine Offensive gegen Hundekot-Verschmutzung in der Hauptstadt. Mit, nun ja, haufenweise Häufchen-Kontrollen wollen sie die Parks von biologischen Tretminen befreien. Hundebesitzer*innen sollten also dringend weiterlesen – Kack-Newsletter hin oder her.

»Hundekot im öffentlichen Raum ist überflüssig und illegal«, teilt der zuständige Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne) am Montag mit. Manchmal auch einfach nur flüssig, möchte der »Muckefuck« ergänzen. Mit der Aktion, so Schriner, solle Bewusstsein geschaffen und gleichzeitig gezeigt werden, dass die Verwaltung das Problem ernst nehme. Die ganze Woche lang (!) werden Beamt*innen vermehrt nach Kot-Sünder*innen Ausschau halten und dabei vor allem Grünanlagen ins Visier nehmen.

Ausreden wie »Das ist doch nur Biodünger« und eben auch »Tütchen vergessen« wollen die Ordnungsämter dabei nicht gelten lassen. Wer den Hundehaufen seines Vierbeiners liegen lässt oder »kein geeignetes Hilfsmittel zur vollständigen Beseitigung des Hundekots« mitführt, muss mit einem Verwarngeld von 55 Euro (okay) oder einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro (vielleicht ein bisschen übertrieben?) rechnen. So zumindest lässt es das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg verlautbaren.

Erbitterte Diskussionen zwischen Beamt*innen und tütenlosen Hundebesitzer*innen scheinen vorprogrammiert. Besonders brisant: Auch in Zivil sollen Staatsbedienstete bis Sonntag in Berliner Parks und an anderen Hundekot-Hotspots herumlungern. Bei Hundekot handele es sich nicht nur um ein optisches Problem, begründet das Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg die temporär drastischen Maßnahmen für sieben Tage. Im Hundekot selbst fänden sich Bakterien, Keime oder Würmer, die bei Mensch und Tier zu Krankheiten führen könnten.

Auch wenn sich auf Berliner Straßen alle möglichen Hinterlassenschaften finden, derer man sich annehmen könnte, ist das Problem Hundekot tatsächlich nicht zu unterschätzen. Zwischen 55 und 60 Tonnen Hundekot sammeln sich laut Medienberichten täglich auf Berlins Straßen und Grünflächen an, gleichzeitig steigt die Zahl erfasster Hunde stetig. Bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) ist sogar von einer »braunen Lawine« die Rede. Ein unschönes Bild, zu dem sich der »Muckefuck« nicht weiter äußern möchte.

Bild des Tages

Pausenbrot, das niemand mit dir tauschen will: Franziska Giffey (SPD), Kai Wegner (CDU) und Renate Künast (Grüne) am Sonntag in Berlin | Foto: dpa/Fabian Sommer

Anzeige

nd bleibt hoffnungsvoll
Aufräumen muss Berlin nicht nur in seinen Parks, sondern auch mit seiner Vergangenheit. Nun soll die Hauptstadt unter anderem einen zentralen Lern- und Erinnerungsort zum Thema Kolonialismus erhalten. Am Montag wurde ein überarbeitete Version des Konzeptpapiers »Kolonialismus erinnern« an die Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) überreicht. Maßgeblich zu dem Projekt beigetragen haben verschiedene antikoloniale Initiativen aus der Zivilgesellschaft, initiiert vom Stadtmuseum Berlin und gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur.

Im Vergleich zur ersten Version des Konzepts aus dem April 2024 wurde noch einmal nachgeschärft: in der Begriffsdefinition von Kolonialismus und in den Forderungen, wie Berlin mit Kolonialgeschichte im öffentlichen Raum umgehen soll. Auch Mahnmale für wenig beachtete Verbrechen wie an den Herero und Nama oder wie im Maji-Maji-Krieg in Ostafrika seien vorgesehen. So verrät es Projektkoordinator Ibou Diop unserer Reporterin Jule Meier. Was genau sich hinter »Kolonialismus erinnern« verbirgt, erfahrt ihr in ihrem Bericht.

Weil der »Muckefuck« nicht viel auf Grenzen gibt, werfen wir zum Abschluss noch einen Blick nach Brandenburg. Dort kam es am vergangenen Wochenende zu einigen spannenden Stichwahlen, in denen es meist darum ging, die rechtsextremistische AfD von Bürgermeisterämtern fernzuhalten. Wie Brandenburg-Redakteur Andreas Fritsche schreibt, hatte die Partei zuvor eine blaue Welle in Aussicht gestellt – womit wir im Grunde wieder bei der braunen Lawine (siehe BSR) angekommen sind.

Die aber blieb zumindest vorerst aus. Weder in Frankfurt (Oder), noch in Wriezen, noch in Eisenhüttenstadt und erst recht nicht in Potsdam konnte die AfD ihre Bremsspuren im Rathaus hinterlassen. »Natürlich hätten wir uns bei diesen Stichwahlen mehr erhofft«, räumt der AfD-Landesvorsitzende in Brandenburg, René Springer, ein. Den Überblick über die Wahlergebnisse im Land der Kiefern findet ihr hier.

Wünscht euch einen hygienischen Dienstag:
Patrick Volknant
Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
Ich trage zur Kaffeekasse bei!

Was heute noch wichtig ist:

Ostberlin: Das Spiel wagen

1989 protestierten Kinder in Ostberlin gegen Steuererhöhungen. Die Spielwagenbewegung machte es möglich. Sie war ein Beispiel von gesellschaftlichem Engagement im Sozialismus.

Peter Nowak

Arbeitskampf bei Gillette: »So begannen wir, Kontakte zu knüpfen«

Der Rasierklingenhersteller Gillette wollte in den späten 80er Jahren in Westberlin die Samstagsarbeit einführen. Das Misstrauen der Belegschaft war der Grundstein für ein internationales betriebliches Netzwerk.

Interview: Christian Lelek

Polizei geht gegen Linke-Abgeordnete vor

Eine Festnahme und ein Schlag ins Gesicht: Bei Demonstrationen in der vergangenen Woche wurden die als parlamentarische Beobachter teilnehmenden Abgeordneten Lea Reisner und Cem Ince von der Polizei angegriffen.

Marten Brehmer

Aufgemuckt

»Wir sollten die Welt der Arbeit ins Zentrum unserer sozialen Auseinandersetzung stellen, sie dominiert ja unser Leben.«

Jutta Schneider
IG Metallerin und ehemalige Betriebsrätin bei Gillette in Tempelhof

Mietwucher in Berlin: Bußgelder sind gut, aber nicht genug

Eine Berliner Vermieterin muss 26.000 Euro Bußgeld wegen einer Wuchermiete zahlen. Das ist auf jeden Fall gut und sollte öfter passieren, findet David Rojas Kienzle. Aber gegen den Mietenwahnsinn braucht es mehr.

Das könnte dich auch interessieren:

Hält Lecornu dieses Mal länger durch?

Nach dem Debakel um die Regierungsbildung von Premier Sébastien Lecornu wollen Linke und Rechte Präsident Emmanuel Macron stürzen. Der aber klebt weiter an seinem Posten.

Ralf Klingsieck, Paris

80-Cent-Jobs für Geflüchtete in Peine

Mit Stimmen von CDU, FDP und AfD führte der Kreistag Peine eine Arbeitspflicht für Geflüchtete in ihren Unterkünften ein. Flüchtlingsrat und Grüne sprechen von Zwangsarbeit.

Yaro Allisat

Signa Holding: Pleiten mit Strahlkraft

René Benko war als Tausendsassa gehandelt und von der Politik hofiert worden. Heute kreisen Ex-Investoren wie Aas­geier über dem, was von Signa übrig ist. Und niemand will etwas gewusst oder geahnt haben.

Stefan Schocher

Anzeige

nd die.Woche

Und später:

Heute, 14. Oktober um 18 Uhr
Lothar-Bisky-Haus
Alleestr. 3, 14469 Potsdam

Ausstellung »Rosas Garten«: Rosa Luxemburgs Herbarium

Rosa Luxemburg ist vor allem bekannt als brillante Rednerin, scharfsinnige Theoretikerin und als vehemente Streiterin für soziale Gleichheit. Weniger bekannt ist, dass Rosa Luxemburg nach dem Abitur 1890 nach Zürich ging, weil sie dort unbedingt Botanik, Zoologie und Geologie studieren wollte. Ihr Interesse an den Naturwissenschaften und ihr empathisches Naturverständnis blieben ihr Leben lang bestehen und prägten ihren Blick auf Gesellschaft und Politik. Seit 1913 legte sie ein Herbarium an, aus dem nun eine kleine Auswahl in Potsdam präsentiert wird. Anlässlich der Ausstellungseröffnung wird Dr. Evelin Wittich, Co-Herausgeberin des 2009 veröffentlichten Herbariums, heute Abend in Rosa Luxemburgs Natur- und Gesellschaftsverständnis einführen.

Video des Tages

Rolf Zuckowski – Lied vom Hund | Quelle: YouTube

»Europa to go« ist ein Podcast, der dich mit ins »Herz« der EU nimmt. Begleite uns nach Brüssel und erfahre mehr über Institutionen wie das Europäische Parlament, was dort entschieden wird und warum dich das etwas angeht.

dasnd.de/europa-to-go

Podcast: »Europa to go«

Muckefuck wurde dir empfohlen und
du möchtest es abonnieren?

Deine Tasse Muckefuck ist leer, für heute.
Wir machen dich morgen früh wieder wach
und freuen uns über dein Feedback.
website facebook twitter instagram youtube