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Dienstag, 28. Oktober 2025
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Hopfen und Malz verloren? Berliner Sozial-Billigbier Jesöff steht vor dem Aus
Freibrief für die Polizei? Rigaer Straße gilt trotz sinkender Deliktzahlen weiter als kriminalitätsbelastet
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Wann hört es auf? Vogelgrippe wütet unter Brandenburgs Kranichen
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und gute Nachrichten! Beim grauen Anblick aus dem Fenster mag es euch vielleicht nicht so vorkommen, aber ihr seid so zufrieden wie schon lange nicht. Wie aus dem neuen »Glücksatlas« der Universität Freiburg hervorgeht, bewerten die Berliner*innen ihre Zufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10 mit 6,83 – und somit um 0,20 Punkte besser als zuvor. Dass Berlin trotzdem noch hinter Brandenburg mit 7,10 Punkten und dem Bundesschnitt von 7,09 Punkten zurückbleibt, sollte die Freude nicht trüben. Der »Muckefuck« ist jetzt endgültig überzeugt: Die Groko wirkt!
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Doch nicht überall in der Hauptstadt herrscht Glückseligkeit. Mit der Biermarke Jesöff droht gerade ein soziales Billigbier-Projekt aus den Spätis der Hauptstadt zu verschwinden. Als soziale Alternative zum Szenebier Sternburg hatten die Berliner Maxim Wermke und Markus Krönert das Pils vor einigen Jahren zum Leben erweckt. Dass hinter dem allseits beliebten Sterni der Großkonzern Dr. Oetker steckt, passte für die beiden nicht zusammen. Jesöff, so der Plan, sollte als Billigbier erhältlich sein, einen großen Teil seiner Einnahmen aber an gemeinwohlorientierte Projekte spenden.
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Wermke und Krönert setzten unter anderem darauf, dass Jesöff-Fans bei Spätibesitzer*innen Überzeugungsarbeit leisten und sie darum bitten, das Pils ins Sortiment zu nehmen. Nun erklären die Gründer: Es ist zuletzt nicht mehr gelungen, Menschen so zu begeistern, dass sie ausreichend nachhaken. »Im vergangenen Winter haben wir so wenig Umsatz gehabt, dass witterungsbedingte Probleme bei den Deckeln auftraten«, sagt Maxim Wermke dem »Muckefuck«. Im Lager stehen ihm zufolge noch rund 900 Kästen Jesöff, die innerhalb von vier Monaten verkauft werden müssen. Danach wollen Wermke und Krönert aufhören.
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Als einzige Hoffnung bleibt, die Sterni-Alternative in neue Hände zu geben: in die eines Teams, eines Vereins, eines Kollektivs. Wermke sieht nach wie vor Potenzial in der Marke. »Besonders zusammen mit politischem Engagement und Veranstaltungen rund ums Thema Eigentum und Eigentumsstrukturen ließe sich viel machen«, ist er sich sicher. »Aber es ist viel Aktivität erforderlich, damit das alles ins Laufen kommt.« Sollte sich ein neuer Kreis aus Interessenten bilden, können sich Wemke und Krönert auch vorstellen, weiter mitzuhelfen.
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Unabhängig vom Schicksal ihres Billigbiers wollen die beiden Berliner weiter an ihrem Kartenspiel-Projekt »Jay« zusammenarbeiten. »Selbstverwaltung ist ein schwieriger Anspruch und ich glaube das Konzept wird allgemein verdrängt, weil kapitalistische Strukturen immer mehr den Alltag prägen«, resümiert Wermke in Sachen Jesöff. Kleinteiliges Einbringen könne prinzipiell effizient sein, doch oft falle zu viel hinten herunter. Wer einen neuen Anlauf starten und dafür sorgen will, dass in Berlin weiter Jesöff jesoffen wird, kann sich über die Mailadresse info@j-ag.info melden. Dem »Muckefuck« bleibt nur zu hoffen, dass Hopfen und Malz noch nicht verloren sind.
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Bild des Tages
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Berlin: Bewölkt, aber (relativ) zufrieden | Foto: dpa/Lilli Förter
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Mangelnde Zuversicht legen derweil Senat und Polizei an den Tag, zumindest wenn es um die Rigaer Straße in Friedrichshain geht. Nach wie vor wird die als Rückzugsort der linken Szene bekannte Straße offiziell als »kriminalitätsbelasteter Ort« (kbO) eingestuft. Die Senatsantwort auf eine schriftliche Anfrage des Linke-Abgeordneten Niklas Schrader jedoch zeigt: Die Kriminalitätszahlen auf der Rigaer Straße sinken beständig. Während die Behörden 2020 noch 1120 Delikte aufnahmen, waren es 2024 nur noch 668.
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»Dass die Rigaer Straße immer noch als kbO eingestuft wird, ist einigermaßen absurd«, sagt Schrader unserem Stadtentwicklungsexperten David Rojas Kienzle. Der Status erlaubt es der Polizei unter anderem, verdachtsunabhängige Personenkontrollen im Gebiet durchzuführen. Schrader, der am Konzept kbO generell einiges auszusetzen hat, hält die vermeintlich erhöhte Kriminalität auf der Rigaer als Rechtfertigung nicht mehr gegeben. Was genau Schrader nun fordert und warum er dem Senat Symbolpolitik vorwirft, erfahrt ihr hier.
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Deutlich gefährlicher als auf der Rigaer Straße, so viel steht fest, lebt es sich derzeit als Kranich in Brandenburg. Hier lässt die Vogelpest die Zahl der verendenden Wildvögel seit Wochen in die Höhe schießen. Allein im Linumer Teichland (Ostprignitz-Ruppin) beziffert Alexandra Rigos vom Berliner Naturschutzbund Nabu am Montagmorgen die Zahl der seit Seuchenbeginn verstorbenen Wildvögel auf rund 1800.
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»Es ist eine absolut dramatische Sache, aber wir hoffen, dass sich die Kranich-Bestände erholen werden«, sagt Rigos unserer Reporterin Lola Zeller. Trotz allem hätte es, Stand jetzt, auch schlimmer kommen können, ergänzt Christiane Schröder vom Brandenburger Nabu: Im Moment sehe es nicht so aus, als ob sich besonders bedrohte Vogelarten infiziert hätten. Welche Maßnahmen die Naturschützer*innen vorschlagen, um Seuchen entgegenzuwirken und welche Erkenntnisse der Blick nach Osteuropa bringt, lest ihr hier.
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Wünscht euch einen grippefreien Dienstag voller Zufriedenheit:
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Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
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Was heute noch wichtig ist:
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Nach Warmwasser ist nun auch das kalte Wasser weg, bald auch die Heizung. Nachdem vergangene Woche ein Teil der Habersaathstraße in Berlin-Mitte geräumt wurde, verschärft sich der Konflikt.
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David Rojas Kienzle
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Immer wieder reicht der Investor hinter dem geplanten Hochhausensemble am Gleisdreieckpark Klage gegen Kritiker ein. Mit einer ist er nun vor Gericht gescheitert. Er will trotzdem Revision einreichen.
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Günter Piening
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Immer wieder scheitert ein Investor mit Klagen, die sich gegen Kritiker eines Bauprojekts am Gleisdreieck in Kreuzberg richten, – und versucht es doch immer wieder. Warum, erklärt Medienanwalt Michael Schmuck.
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Interview: Günter Piening
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»Da klagt jemand mit großem Kapital, der offenbar vor allem ein Interesse hat, kleine Initiativen mundtot zu machen.«
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Medienanwalt Michael Schmuck über den Gerichtsprozess zur Urbanen Mitte
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Yorgos Lanthimos dreht unserer Gegenwart angemessene Mindfuck-Filme. Sein neuestes Werk »Bugonia« erzählt vom Wahnsinn der Gegenwart, in der wir leben müssen und in der an Verschwörungsspinnern kein Mangel herrscht.
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Thomas Blum
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Heute, 28. Oktober um 18 Uhr
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Habersaathstraße 46, 10115 Berlin
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Im Anschluss an die Teilräumung durch die Berliner Polizei in der vergangenen Woche und der Installation einer Security-Firma im Nachbarhaus heißen euch die Bewohner*innen der Habersaathstraße heute Abend zur Küchenparty und zum gemeinsamen Bannermalen willkommen. Die perfekte Gelegenheit, »die Krawallmacher*innen aus Radio und Fernsehen kennenzulernen«, wie die Gruppe in ihrer Einladung selbst schreibt. Neben selbstgemachtem Glühwein gibt es veganes Gyros im Brot. Außerdem bittet die Habersaathstraße um spezifische Sachspenden. Eine entsprechende Liste findet ihr unter dem Link zur Veranstaltung.
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»Europa to go« ist ein Podcast, der dich mit ins »Herz« der EU nimmt. Begleite uns nach Brüssel und erfahre mehr über Institutionen wie das Europäische Parlament, was dort entschieden wird und warum dich das etwas angeht.
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