Muckefuck. Berlin. Links. Ungefiltert.

Dienstag, 13. Januar 2026

Es läuft (nicht) glatt:
Eisige Probleme auf Berlins Seen und Bürgersteigen

Nach dem Gau ist vor dem Gau:
Streit über mögliche Konsequenzen aus dem Strom-Anschlag

Mit vollmännlicher Doppelspitze:
King und Lüders sollen BSW zur Abgeordnetenhauswahl führen
Guten Morgen,

für die Nachwuchsabteilung der Eisbären kann es eigentlich nur Gutes bedeuten. Minusgrade bis in den zweistelligen Bereich sorgen für seltene Naturschauspiele in der Hauptstadt – und natürlich auch für Diskussionen: Wann dürfen Berliner*innen auf der zugefrorenen Rummelsburger Bucht Eishockey spielen? Warum werden Straßen geräumt, während ältere Menschen sich Väterchen Frost auf dem Bürgersteig im Einzelkampf stellen müssen? Der wärmende »Muckefuck« hat ein paar Antworten parat, sollte aber nur mit äußerster Vorsicht auf Eisflächen genossen werden.

Mit Durchsagen, zum Teil vom Helikopter aus, warnt die Berliner Polizei vor dem Betreten gefrorener Gewässer. Nur mit dem Gehorsam tun sich die Bürger*innen schwer. »Es gibt natürlich immer wieder Personen, die die Durchsagen ignorieren, danach zurückkommen oder sie einfach nicht gehört haben«, sagt Polizeisprecher Martin Halweg dem »Muckefuck«. Bilder und Videos im Internet zeigen teilweise hunderte Personen, die sich auf den Berliner Eisflächen vergnügen. Tatsächlich kam es dabei zu mindestens einem Einbruch, nämlich auf dem (offenbar nicht ausreichend) zugefrorenen Landwehrkanal.

Bei Massenaufkommen auf gefrorenen Gewässern sei grundsätzlich die Berliner Wasserschutzpolizei zuständig, erklärt Halweg. »Wenn die Gewässer mit dem Boot nicht mehr befahrbar sind, kommen eben Fahrzeuge von Land aus zum Einsatz.« Außerdem sähen Polizeistreifen auf zugefrorenen Seen regelmäßig nach dem Rechten. Bei Durchsagen wie der aus dem Helikopter agiert die Berliner Polizei im Rahmen des Gefahrenabwehrrechts. Gewässer wie etwa den Großen Müggelsee abzusperren, scheitert laut Polizeisprecher allein schon am fehlenden Personal. »Dann müsste man ja alle zwanzig Meter eine Kollegin oder einen Kollegen hinstellen.«

So richtig kompliziert wird es bei der Frage, wann das Betreten zugefrorener Gewässer explizit als erlaubt gelten kann. Halweg macht klar: »Die Polizei Berlin gibt grundsätzlich keine Eisflächen frei.« Das obliege den Bezirken. Eine Recherche auf der Webseite des Landes Berlin bestätigt: Während große, fließende Gewässer (»Gewässer Erster Ordnung«) unter die Zuständigkeit der Senatsverkehrsverwaltung fallen, zeichnen sich die jeweiligen Bezirksämter für innerstädtische Seen (»Gewässer Zweiter Ordnung«) verantwortlich.

Und doch stellt sich die Suche nach einer offiziellen Stelle, die dem großen Eisspaß ihren behördlichen Segen erteilt, als letztlich vergebens heraus. Denn weder die Verkehrsverwaltung noch die jeweiligen Bezirksämter geben der Eisflächen zum allgemeinen Betreten frei – so steht es auf der Landeswebseite geschrieben. Höchstens auf Antrag, etwa bei einer Veranstaltung, seien derartige Genehmigungen möglich. So bleibt es jeder Berlinerin und jedem Berliner selbst überlassen, die Gefahren einzuschätzen. Doch keine Panik: Mit der Broschüre »Bobbi Bär & Hansi Hase – Vorsicht auf dem Eis« gibt es ein offizielles Dokument, das euch bei der Beurteilung hilft. Klare Leseempfehlung vom »Muckefuck«!

Bild des Tages

Badesachen unten drunter: Polizist*innen am Maybachufer | Foto: dpa/Stella Venohr

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Weder Bobbi Bär noch Hansi Hase (oder Iris Igel) können jedoch helfen, wenn es um die Eisflächen in der Hauptstadt geht, die sich von vornherein nicht vermeiden lassen. Glatte Gehwege sorgen dieser Tage gerade bei in die Jahre gekommenen Mitbürger*innen für einigen Ärger. Während die Berliner Stadtreinigung (BSR) auf den von Autos befahrenen Straßen wichtige Arbeit leistet, wird auf Gehwegen zwar gestreut, aber oft nicht wirklich geräumt. Unfreiwillige Rutschpartien sind die Folge, erst recht bei Menschen wie dem heutigen Muckefuck-Autor, der auch bei Trockenheit und Sonnenschein ohne Grund das Gleichgewicht verliert.

Grundsätzlich müssen sich Anlieger in Berlin um den Winterdienst auf den Gehwegen kümmern. Der BSR fallen neben den bereits erwähnten Fahrbahnen noch Radfahrstreifen, Gehwege ohne Anlieger, bestimmte Fußgängerzonen und öffentliche Plätze übernimmt. Oda Hassepaß, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sprach zuletzt von einem »Zuständigkeitschaos« und forderte einen »professionell organisierten, effizienten Winterdienst aus einer Hand«. Sprich: die Ausweitung des Zuständigkeitsbereichs auf die Berliner Stadtreinigung.

Die wiederum hat darauf so gar keine Lust und verweist auf die zusätzlichen Ressourcen, die bei der BSR für die wenigen Schneetage im Jahr anfallen würden. Die Lösung des Dilemmas bietet nun Berlins Verkehrssenatorin. »Die Sicherheit aller Berlinerinnen und Berliner liegt mir stets am Herzen, gerade auch in der Winterzeit bei Schnee und Eis«, verkündet die poetisch veranlagte Ute Bonde (CDU) in einer aktuellen Mitteilung. Sie bitte das Parlament deshalb, schnellstmöglich die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, »dass wir in Fällen von extremer Glätte ausnahmsweise die Verwendung von Tausalz ermöglichen können«.

Wir erinnern uns: Das klassische Streusalz war bereits vor Jahren in Ungnade gefallen, unter anderem weil es Bäume unter zusätzlichen Trockenstress setzt, Tieren schaden und Gewässer versalzen kann. Das Streuen kleiner Steinchen, genannt Splitt, dient als umweltfreundliche, aber weniger wirkungsvolle Alternative. Für Bonde ist deshalb klar: »Bei einer Entscheidung über einen möglichen Einsatz von Tausalz muss gründlich abgewogen werden.« Dem aber »Muckefuck« kommt, nach gar nicht mal so gründlicher Überlegung, schon der erste Einwand: Was, wenn dann trotzdem alle immer Tausalz streuen, um sich rechtlich gegen mögliche Stürze voll abzusichern?

Einen allseits ausgeglichenen Dienstag wünscht:
Patrick Volknant
Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
Ich trage zur Kaffeekasse bei!

Was heute noch wichtig ist:

BSW-Doppelspitze ohne Frau

In den Meinungsumfragen bewegte sich das Berliner BSW zuletzt bei nur noch vier bis fünf Prozent. Die Partei sieht dennoch Potenzial, im September ins Abgeordnetenhaus einzuziehen.

Andreas Fritsche

Berlin: Nach dem Gau ist vor dem Gau

Regierung und Opposition werfen sich in Berlin nach dem Anschlag auf die Stromversorgung gegenseitig Versäumnisse beim Katastrophenschutz vor. Früher oder später kommt der nächste Anschlag, sind sich alle einig.

Marten Brehmer

Brandenburg: Studierende kämpfen für Tarifvertrag

Im Rahmen der Verhandlungen um den Tarifvertrag der Länder rufen die Gewerkschaften Verdi und GEW zum Warnstreik am 15. Januar in Brandenburg auf. Mit dabei sind Studierende, die bisher keinen Tarifvertrag haben.

Lola Zeller

Aufgemuckt

»Ich bin Einzelkämpfer, einer gegen 158. Das härtet ab.«

Alexander King
BSW-Abgeordneter

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Die Misere des BSW in Brandenburg strahlt nach Berlin aus. Aber für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September muss das nichts heißen. Bis dahin vergeht noch genug Zeit.
Andreas Fritsche

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Und später:

Heute, 13. Januar um 19 Uhr
Baiz
Schönhauser Allee 26
10435 Berlin

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