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Freitag, 13. Februar 2026
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Schlechte Nachbarschaft: In Berlin gibt es besonders viele Nachbarschaftskonflikte
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Dürftige Unterbringung: Viele Flüchtlinge werden in Hotels untergebracht
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Berliner Schnauze, das bedeutet ehrliche Kommunikation. Aber auch: Motzen, Anpflaumen und Pöbeln. Vielleicht ist Berlin deshalb jüngst zum »Hotspot für Nachbarschaftsstreit« gekürt worden. Laut einer bundesweiten Studie sollen 59,6 Prozent der Berliner schon einmal an einem Nachbarschaftsstreit beteiligt gewesen sein. Damit liegt die Hauptstadt im bundesweiten Vergleich auf dem dritten Platz. Noch heißer geht es nur in Hamburg und Bremen zu, wo jeweils 66 und 71,4 Prozent der Befragten schon einmal in einen Konflikt mit einem Nachbarn involviert waren.
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Die Häufung von Stadtstaaten auf den vorderen Plätzen lässt den »Muckefuck« vermuten, dass die Bevölkerungsdichte wohl eine Rolle beim Zustandekommen dieses Ergebnisses spielen könnte. Wenig überraschend landet dann auch das dürftig besiedelte Saarland auf dem letzten Platz der Rangliste – lächerliche 29,4 Prozent der Saarländer haben sich dort schon mal mit ihrem Nachbarn gezofft. Befragt wurden bundesweit 1500 Menschen über 18 Jahren. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Allianz Direct-Versicherung, die die Veröffentlichung nutzt, um für ihre Hausrats- und Rechtsschutzversicherungen zu werben.
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Der häufigste Grund, der Berliner Nachbarn an die Gurgel ihres Gegenübers führt: Lärm. Knapp die Hälfte der Befragten gibt Ruhestörungen als Grund für ihre Nachbarschaftskonflikte an. Von da aus kann es schnell eskalieren, wie ein Fall in Marzahn zeigt. Die zwei Rentnerinnen Elke S. Und Renate S. gerieten dort in Streit über die Lautstärke, mit der eine von ihnen fernsieht, wie die »Berliner Zeitung« 2022 in insgesamt drei ausführlichen Artikeln dokumentierte. Die sich gestört fühlende Mieterin aus dem vierten Stock beschwerte sich daraufhin bei der Lauthörerin im Erdgeschoss – die die Einwände mit Verweis auf ihre Schwerhörigkeit abbügelte. Doch das war erst der Anfang. Immer wieder rief die Rentnerin aus dem vierten Stock die von der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Degewo extra eingerichtete »Lärmschutzpolizei«. Auch die richtige Polizei wurde mehrmals in dem Haus vorstellig.
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Die Eskalation im Kleinkrieg im ganz nahen Osten Berlins konnte das nicht aufhalten: Mit immer schärferen Waffen gingen die zwei Rentnerinnen aufeinander los. Nachdem eine Blumen vor der Tür der anderen geklaut haben soll, reagierte die Bestohlene damit, Nagellack vor der Wohnungstür ihrer Nachbarin zu verteilen. Es folgte ein Angriff mit biologischen Kampfmitteln. Hundekot fand sich im Briefkasten einer der zwei Streitparteien. Im letzten Artikel, den die »Berliner Zeitung« über die mehrmonatige Auseinandersetzung veröffentlichte, wurde sogar von Handgreiflichkeiten berichtet. Eine der Nachbarinnen gab zu Protokoll, von ihrer Erzfeindin mit einem Krückstock attackiert worden zu sein. Schöner wohnen!
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Bild des Tages
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Krach! Bumm! Patsch! Am Jahn-Sportpark wurden am Donnerstag zwei Lichtmästen gesprengt. | Foto: dpa/Carsten Koall
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Auch Flüchtlinge wohnen zumeist unter schwierigen Bedingungen – nicht nur wegen anstrengender Nachbarn. 3294 Menschen hat das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten aktuell in Hotels oder Hostels untergebracht, weil es in regulären Unterkünften keinen Platz mehr gibt. Was sich in den Ohren von Rassisten nach Luxusbehandlung anhört, ist in der Realität das Gegenteil. »Die Menschen sind dort nicht betreut oder angebunden an eine Aufnahmestruktur«, sagt Emily Barnickel vom Flüchtlingsrat Berlin. Die Zimmer seien im Regelfall nicht darauf eingerichtet, dass Menschen über Monate in ihnen wohnten. So gebe es meistens keine Küchen, selbst Kochen können die Flüchtlinge entsprechend nicht.
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Dass sich an der Situation etwas bessert, ist unwahrscheinlich. Die Senatssozialverwaltung würde zwar gerne neue dezentrale Unterkünfte bauen, die die Anmietung von Hotels unnötig machen könnten – doch in der Koalition durchsetzen kann sich das von Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) geführte Ressort damit nicht. Denn der Koalitionspartner CDU geht davon aus, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge dauerhaft sinkt. Wie es jetzt weitergehen soll, hat Lola Zeller herausgefunden.
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Freut sich Nachbarn zu haben, die Kopfhörer besitzen: Marten Brehmer
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Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
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Was heute noch wichtig ist:
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Sanierungsarbeiten hinken dem Bedarf hinterher: Zwölf Kilometer Straßenbahngleise müssten rechnerisch pro Jahr erneuert werden, damit die Leistungsfähigkeit des Netzes erhalten bleibt. Real sind es deutlich weniger.
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Nicolas Šustr
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Der Berliner Asyl-Verein für Obdachlosen schuf ab 1868 eine Alternative zu Zwangsarbeit und Strafverfolgung: würdevolle Unterkünfte unter Schutz vor Polizei. Strukturelle Probleme konnte der liberale Verein nicht lösen.
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Christian Lelek
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»Wir müssen wegkommen vom Terminus und Anspruch, Menschen ›unterbringen‹ zu wollen. Wohnen ist ein Menschenrecht.«
Emily Barnickel Flüchtlingsrat
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