Muckefuck. Berlin. Links. Ungefiltert.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Heiliger Krieg gegen Sowjetfahnen:
Verbote an den Tagen der Befreiung und des Sieges

Stinkt zum Himmel:
Der Zustand der Berliner Schulen und ihrer Toiletten

Berliner Mietenwahnsinn goes Bundestag:
Die Linke hört Vonovia-Mieter an
Andreas Fritsche
Guten Morgen,

»Вставай, страна огромная,/ Вставай на смертный бой/ С фашистской силой темною,/ С проклятою ордой!« Für die zu spät oder im Westen Geborenen, die des Russischen nicht mächtig sind: »Steh auf, steh auf, du Riesenland!/ Heraus zur großen Schlacht!/ Den Nazihorden Widerstand!/ Tod der Faschistenmacht!« Wassili Lebedew-Kumatsch schrieb den Text dieses Liedes im Juni 1941, unmittelbar nachdem die Nazis die Sowjetunion überfallen hatten. Ins Deutsche übertragen hat es später der Schriftsteller Stephan Hermlin. Meine Lieblingsversion ist die von Ernst Busch gesungene. Eine russische Fassung findet Ihr unten als Video des Tages.

Heute könnt Ihr dieses Video noch unbedenklich anhören. Aber lasst Euch in Berlin bloß nicht am 8. oder 9. Mai im Treptower Park, in der Schönholzer Heide oder im Tiergarten damit erwischen. Die Berliner Polizei hat zum Tag der Befreiung vom Faschismus und zum Tag des Sieges über Hitlerdeutschland wieder das Singen und Abspielen russischen Marsch- und Militärlieder untersagt und insbesondere aller Fassungen von »Der heilige Krieg«.

Sie begründet das mit dem Gesetz über die Kriegsgräberfürsorge von Dezember 1992 und der daraus erwachsenen Verpflichtung der Polizei, sowjetische Ehrenmale wegen der geschichtlichen Verantwortung Deutschlands zu schützen. Das würdevolle Gedenken an die gefallenen Sowjetsoldaten, die mit anderen Streitkräften dazu beitrugen, Deutschland und die Welt von der Nazidiktatur zu befreien, solle an den beiden Tagen im Vordergrund stehen. Die Würde der Erinnerungsorte solle angesichts des andauernden Kriegs zwischen Russland und der Ukraine gewahrt werden.

Einige der Verbote, die auch schon im Umfeld der Ehrenmale gelten, mögen noch nachvollziehbar sein: Etwa das Anstecken des Z-Symbols oder der in Russland wieder in Mode gekommenen Georgsbänder aus der Zarenzeit, Darstellungen des ukrainischen Staatsgebiets ohne den Donbass, Flaggen der Seperatistengebiete Luhansk und Donezk sowie der Krim, die sich Russland mittlerweile einverleibt hat. Flaggen von Russland, Belarus und Tschetschenien oder die Bildnisse der jeweiligen Präsidenten zu zeigen, ist übrigens ebenfalls untersagt, genauso das Tragen von Uniformen - wobei die Polizei ihre eigenen Uniformen selbstverständlich nicht meint. Veteranen des Zweiten Weltkriegs dürfen ihre alte Uniform tragen, Militärattachés von Botschaften ihre neue. Sie genießen Sonderrechte wie die Diplomaten, die sich mit Georgsbändern schmücken können.

Bild des Tages

Hammer und Sichel zieren das Ehrenmal im Treptower Park. Aber auf einer mitgebrachten roten Fahne dürfen sie am 8. und 9. Mai nicht sein. | Foto: dpa/Fabian Sommer

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Geschichtsvergessen und peinlich ist auf jeden Fall das zeitweilige Verbot sowjetischer Fahnen und des Liedes »Der heilige Krieg«. Wegen dieser Auflage konnte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes seit 2022 im Treptower Park nicht wie gewohnt eine sowjetische Fahne aufstellen und verzichtete nach dem Prinzip ganz oder gar nicht auch auf die Flaggen der drei anderen Siegermächte USA, Großbritannien und Frankreich.

Stefan Natke, bis 2025 Landesvorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), hatte nach eigenen Angaben gegen die Verfügungen der Jahre 2022 und 2023 Widerspruch eingelegt und schließlich 2024 dagegen geklagt. Ihm geht es hauptsächlich darum, dass sowjetische Fahnen und das Lied zugelassen werden. Nun gibt es endlich einen Verhandlungstermin am Verwaltungsgericht Berlin, aber erst zehn Tage nach den diesjährigen Feierlichkeiten zum Tag des Sieges - ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

So wie die teils unsinnigen Verbote stinkt auch so manche Berliner Schultoilette zum Himmel. Alle Hausmeister der rund 800 Schulen in der Hauptstadt sollen die ordnungsgemäße Reinigung überprüfen und erhalten jetzt ein Tablet, mit dem sie Mängel dokumentieren können. Kollege Marten Brehmer hat sich das in der Schule an der alten Feuerwache in Schöneweide zeigen lassen und beschreibt hier den Sachverhalt.

Sbassiba, Merci und Thank you für die Befreiung vom Faschismus und für eure Aufmerksamkeit!
Andreas Fritsche
Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
Ich trage zur Kaffeekasse bei!

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Andreas Fritsche

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Und später:

Sonntag, 10. Mai, 15 bis 17 Uhr Bebelplatz
Unter den Linden 9, 10117 Berlin

Foto: nd/Andreas Fritsche

Lesen gegen das Vergessen

Die Bundestagsfraktion der Linken lädt anlässlich des Jahrestags der Bücherverbrennung 1933 ein zum traditionellen Lesen gegen das Vergessen aus den Werken damals von den Nazis verfemter Autoren. Sonntag, 10. Mai, 15-17 Uhr, Bebelplatz in Berlin-Mitte. Es lesen die Politiker Elif Eralp und Gregor Gysi, die frühere Abgeordnete Gesine Lötzsch, der Schauspieler Björn Harras, die Journalisten Mareice Kaiser und Nicol Ljubić, die Musikerin Sookee und
Schüler der AG Stolpersteine des Barnim-Gymnasiums
. Vergangenes Jahr organisierte noch Gesine Lötzsch das Lesen gegen das Vergessen, kündigte aber bereits an, die Verantwortung an die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner abzugeben.

Video des Tages

Der heilige Krieg | Quelle: YouTube/aurorakater

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