Muckefuck. Berlin. Links. Ungefiltert.

Mittwoch, 3. Juni 2026

Oper vs. Theater:
Die Stiftung Deutsche Oper kündigt dem Maxim-Gorki-Theater den Mietvertrag

Queerfeindlicher Angriff:
Eine Jugendgruppe verletzt einen Mann in einer Cruising-Area in Friedrichshain

Grenzen des Empowerments:
Eine Studie untersucht Gewalt in queeren Beziehungen
Guten Morgen,

das Leben in Berlin und als Muckefuck-Autor ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Noch gestern konnten wir die frohe Kunde verbreiten, dass der »Görli« vorerst auch nachts offen bleiben kann. Eine Schlappe für den Senat, die zufriedenstellt. Heute hingegen müssen wir darüber berichten, dass an anderer Stelle eine neue Schließung drohen. Der Personalrat des traditionsreichen Maxim-Gorki-Theaters macht Alarm: Das Theater stehe vor einer »existenziellen Krise«, die den gesamten Spielbetrieb lahmzulegen drohe.

Was den Personalrat zu dieser drastischen Einschätzung kommen lässt? Der Bühnenservice der Stiftung Oper in Berlin hat dem Theater den Mietvertrag für seine Bühnenwerkstätten gekündigt. Hintergrund ist, dass man sich nicht auf eine »angemessene Mietzahlung« einigen konnte, wie dem Kündigungsschreiben, das dem »Muckefuck« vorliegt, zu entnehmen ist. Sollte keine Einigung zustande kommen, müsste das Maxim Gorki Theater zum 31. Dezember die Werkstätten am Wriezener Bahnhof in Friedrichshain räumen.

»Ohne eigene Produktionsstätten droht der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Berliner Kultureinrichtung die Abwicklung«, befürchtet der Personalrat. Nicht nur die 40 direkt bei den Werkstätten Beschäftigten, sondern auch die rund 200 direkt am Haus angestellten Mitarbeiter*innen, deren künstlerische Arbeit auch von der verlässlichen Zulieferung der Dekorationswerkstätten abhänge, würden nun um ihre Zukunft bangen.

Die Gewerkschaft Verdi stellt sich hinter das Gorki-Theater und warnt vor dessen »faktischer Zerschlagung«. Die Gewerkschaft fürchtet, dass die Kündigung des Mietervertrags den Weg zu einem »Auftraggeber-Modell« ebnen könnte. In diesem würden die Bühnenarbeiten an den Bühnenservice Berlin als externe Auftragsarbeiten vergeben.

Bild des Tages

Clash of Cultures – Schafe im brandenburgischen Seelow. Der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg will im «Hirtenjahr 2026» auf die Bedeutung von Schäfereien für Natur-, Klima- und Landschaftsschutz aufmerksam machen. | Foto: dpa/Patrick Pleul

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Das wiederum bedrohe nicht nur Arbeitsplätze, sondern »unmittelbar die künstlerische Substanz des Maxim-Gorki-Theaters«. »Die Belegschaft steht seit Jahren für eine eigenständige, kritische und gesellschaftlich relevante Theaterarbeit«, so Verdi in einer Mitteilung. Eine Schwächung der Werkstätten sei daher zugleich ein Angriff auf die künstlerische Autonomie des Hauses und auf die Produktionsbedingungen kritischer Kunst in öffentlicher Trägerschaft. »Werkstätten sind keine austauschbare Infrastruktur. Wer sie schwächt, greift direkt in die Produktionsfähigkeit des Theaters ein und gefährdet damit Arbeitsplätze, künstlerische Qualität und die öffentliche Kulturverantwortung des Landes Berlin« so Konstantin Kohl, zuständiger Gewerkschaftssekretär.

Die Situation des Theaters kann man als Folge der von Austerität geprägten neuen Kulturpolitik betrachten. Der jetzt gekündigte Mietvertrag kommt aus einer Zeit, in der sich die Wertschätzung des Landes Berlin für die Kulturlandschaft noch in Form von finanzieller Unterstützung ausdrückte. 2010 konnten die Werkstätten in die bis heute genutzten Räume einziehen, zu einem symbolischen Mietpreis von einem Euro. Mittlerweile weht in Berlin ein anderer Wind. Nicht nur gibt es dauerhaft politische Angriffe auf die Kultur. Seit 2025 müssen Gorki und Stiftung Deutsche Oper mit weniger Geld aus dem Landeshaushalt auskommen. Schon seit vergangenem Dezember steht eine Erhöhung auf 7,90 Euro pro Quadratmeter im Raum, was zu Mehrkosten von knapp 160.000 Euro führen würde.

Diese Situation lässt die Berliner SPD-Fraktion zum Schluss kommen, man und dürfe nicht zulassen, dass ein Haus ein anderes Haus ruiniere. Wie Personalrat und Gewerkschaft sehen die Sozialdemokrat*innen den frisch gebackenen Kultursenator Stefan Evers (CDU) in der Verantwortung, eine Lösung für das Theater zu finden. Der Senat habe seiner Schutz- und Steuerungspflicht nachzukommen, so die Fraktion. »Es ist nicht akzeptabel, dass 240 Menschen und ihre Familien um ihre Zukunft bangen müssen, obwohl die Haushaltsmittel für das Maxim-Gorki-Theater da sind«, so der arbeitspolitische Sprecher der Fraktion, Sven Meyer.

Die Kulturverwaltung wiederum scheint das Drama um die Zukunft des Gorki-Theaters nicht als ihr Problem zu betrachten, sondern als reines Verhandlungsproblem zwischen Mieter und Vermieter. Der Nachrichtenagentur dpa teilte eine Sprecherin mit, dass man davon ausgehe, dass sich die Vertragspartner bis zum Ablauf der Kündigungsfrist »über die Fortsetzung des Mietverhältnisses einig werden und die Kündigung in Folge gegenstandslos wird«. Aktive Kulturpolitik sieht anders aus.

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