Muckefuck. Berlin. Links. Ungefiltert.

Montag, 8. Juni 2026

Indische Köche, brutal ausgebeutet:
Bisher vergeblich ermitteln die Behörden wegen Menschenhandels gegen eine Gruppe

Auf der Bremse beim Wohnungsbau:
Gegen hohe Mieten will Schwarz-Rot mehr bauen, mit zweifelhaftem Erfolg

Erinnerungen an einen Sinto-Boxer:
Kurz nur war »Rukelie« deutscher Boxchampion, ihm widmet sich eine Graphic Novel
Christian Lelek
Guten Morgen,

manch eine*r gibt – sofern vorhanden – gern mal etwas mehr Geld für gutes Essen aus, verbunden mit der Hoffnung, dafür auch hochwertige Produkte und guten Service zu honorieren. Eine Garantie für die Verbindung von Geld einerseits und Lebensmittelqualität beziehungsweise Arbeitsbedingungen andererseits gibt es aber natürlich nicht. Wem das wichtig ist, die*der sollte sich gründlich darüber informieren, wo und was man speist und wie das Essen zubereitet wird.

Darauf machen bemerkenswerterweise Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft aufmerksam. Wie die Behörde mitteilte, wurden am Mittwoch bei einer Razzia in einer Unterkunft, in der mehrere Arbeiter*innen untergebracht waren, umfassende Missstände festgestellt. Zum einen fungierte die Unterkunft auch als Küche. Von dort wurde vorgekochtes Essen an Restaurants ausgeliefert. Die Lebensmittelaufsicht stellte laut Staatsanwaltschaft »ernsthafte hygienische Mängel fest und entsorgte Lebensmittel, darunter Fleisch, Gemüse sowie mehrere Kübel bereits zubereiteter Soßen«. Auch Verstöße gegen Brandschutzauflagen wurden in der Unterkunft festgestellt. Das Bauamt schloss das Objekt daraufhin umgehend.

Doch der eigentliche Ermittlungsgegenstand wiegt deutlich schwerer. Die Beamt*innen ermitteln wegen des Verdachts auf Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft. Und wenn die Staatsdiener*innen von Ausbeutung sprechen, dann geht es in der Regel über das gewohnte Maß hinaus, im Rahmen dessen wir alle tagtäglich zur Arbeit gehen.

Konkret geht um indische Spezialitätenköche, die seit 2021 von einer achtköpfigen Tätergruppierung gezielt angeworben worden sein sollen. Nach der Ankunft der Köche in Deutschland seien ihnen ihre Ausweisdokumente abgenommen worden »um Abhängigkeiten zu schaffen und aufrechtzuerhalten«. Bei Arbeitszeiten von bis zu 13 Stunden täglich hätten sie zum Teil lediglich 25 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns verdient. In einzelnen Fällen seien die Lohnzahlungen gar ganz ausgeblieben.

Unfassbar auch, was die Staatsanwaltschaft über die Wohnsituation der Köche vermutet: Sie sollen »unter menschenunwürdigen Bedingungen in überbelegten Unterkünften oder in Kellerräumen von Restaurants untergebracht worden sein«. Bei der am Mittwoch erfolgten Razzia seien vier Arbeitnehmer angetroffen worden. Diese seien zu ihren Arbeitsbedingungen befragt und über bestehende Hilfs- und Unterstützungsangebote informiert worden.

Bild des Tages

Erst musste das hier zu sehende Hauptgebäude geschlossen werden, jetzt auch noch die Bibliothek. Weitere Einrichtungen der Technischen Universität sind ebenfalls in bedenklichem Zustand. | Foto: dpa/Fabian Sommer

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Gegen die Tätergruppe ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit drei Jahren, offenbar ohne nennenswerten Erfolg. Bereits 2024 sei es zu zahlreichen Durchsuchungen gekommen. Der Razzia von vergangener Woche seien neue Ermittlungserkenntnisse vorausgegangen. Demnach würden indische Spezialitätenköche weiter von der Gruppe unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt. »Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen haben sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Betroffenen seit dem Frühjahr 2024 sogar weiter verschlechtert«, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Um die Ausbeutungsstrukturen zu verschleiern habe sich die Gruppe eines »konspirativen Geflechts verschiedener Betreibergesellschaften« bedient. Möglicherweise wurden auch Sozialversicherungsbeiträge »in erheblichem Umfang nicht ordnungsgemäß abgeführt«.

Nicht so wie vorgesehen läuft es derweil weiterhin für den Berliner Senat mit Blick auf seine Wohnungsbauziele. Wie Berlins Bausenator Christian Gaebler von der SPD am Freitag mitteilte, rechne er mit der Fertigstellung von 6000 bis 6500 Wohnungen durch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Im vergangenen Jahr hatte Gaebler noch 7000 Wohnungen in Aussicht gestellt.

Wie Nicolas Šustr, unser Experte für Verkehr und Stadtentwicklung, auf der sogenannten Neubautour, der Butterfahrt des Senats und der Landeseigenen erfuhr, läuft auch bei der Vergabe von Sozialwohnungen nicht alles nach Plan. Im vergangenen Jahr hatte der Senat einen neuen Wohnberechtigungsschein, den WBS 220, für relativ normal verdienenden Haushalte eingeführt. Die Kaltmiete beträgt dabei schonmal 11,50 Euro pro Quadratmeter. Kein Wunder also, dass im Neubaukomplex auf der Insel Gartenfeld in Spandau, noch nicht alle Wohnungen in dieser Kategorie vergeben sind.

Stellt Meal Prep mal wieder nach oben auf die To-Do Liste:
Christian Lelek
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Was heute noch wichtig ist:

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Laura Meng

Aufgemuckt

»Und jeder, der immer sagt, wir wollen, dass keine Miete mehr nur um einen Cent erhöht wird, legt damit die Axt an die wirtschaftliche Grundlage der landeseigenen Gesellschaften.«

Christian Gaebler (SPD)
Bausenator

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Und später:

Heute, Montag, 8. Juni um 20 Uhr
BAIZ
Schönhauser Allee 26A
10435 Berlin

Das Spiel der starken Männer

Anlässlich der Fußball-WM der Männer in den USA will der Autor und Sportjournalist Ronny Blaschke zeigen, dass das Stadion selten so offen ein Instrument der Macht gewesen ist. Laut Blaschke habe sich der Fußball zu einem Vehikel des Nationalismus verwandelt. Begleitet vom Fußballfreund Stephan »Larry« Lahrem blickt er in seinem Vortrag kritisch über den großen Teich, wo am 11. Juni die WM eröffnet wird.

Video des Tages

Unterwegs mit Streetworkern in Neukölln | Quelle: YouTube/PULS Reportage

»Klassentreffen« ist ein Podcast über Klasse, Krise und Kultur mit Olivier David. Jeden Monat neu auf
dasnd.de/klasse


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