Muckefuck. Berlin. Links. Ungefiltert.

Montag, 22. Juni 2026

Raumschiff bekommt neue Kapitäne:
Das Internationale Congress Centrum (ICC) hat bald neue Betreiber

Cannabis-Anbau kompliziert:
Konsumvereinigungen stehen vor hohen bürokratischen Hürden

Von Betroffenen für Betroffene:
Die Yescon ist die größte Krebs-Konferenz Deutschlands
Guten Morgen,

wer von euch war schon mal im Internationalen Congress Centrum (ICC)? Das Messegebäude der Superlative in Charlottenburg-Wilmersdorf wird seit 2014 nicht mehr genutzt und ist nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet. Wenn man Hauptstadtjournalist*innen glauben darf, hat es in der Berliner Bevölkerung allerlei Spitznamen, von »Panzerkreuzer Charlottenburg« über »Arche Noah«, bis hin zu »Raumschiff«. Bald könnte aber wieder Leben in die riesigen Hallen einziehen: Die Senatswirtschaftsverwaltung hat für den kommenden Mittwoch angekündigt, den möglichen Projektpartner für die zukünftige Nutzung vorzustellen. »Das ICC soll zu einem international einzigartigen Standort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft entwickelt werden«, heißt es.

Jetzt ist das ICC nicht einfach irgendeine Halle. Nicht nur gilt es als eins der bedeutendsten Bauwerke der BRD-Nachkriegszeit und steht seit 2019 unter Denkmalschutz. Seine Geschichte ist auch eng verbunden mit dem längst abgerissenen Palast der Republik. Das 1976 fertiggestellte Prestigeprojekt der DDR und einer der Höhepunkte der Ostmoderne konnte während der Systemkonkurrenz nicht unbeantwortet bleiben. Und so wurde in West-Berlin fast eine Milliarde D-Mark (heute rund 1,3 Milliarden Euro) in die Hand genommen, und nach einer Bauzeit von nur vier Jahren der Gegen-Palast ICC 1979 eingeweiht.

Nach der Wende nahmen die beiden Bauten allerdings komplett unterschiedliche Wege. Nachdem Asbest im Gebäude gefunden wurde, wurde der Palast der Republik nach heftigen Diskussionen 2008 abgerissen. An seiner Stelle steht heute das Humboldt-Forum, das mit einer originalgetreuen Rekonstruktion der Fassade des barocken Berliner Schlosses glänzt. Von linken Architekturkritiker*innen wird die Fassade als »kritiklose Preußenverherrlichung« bezeichnet.

Ganz anders ist die Lage beim ICC. Auch der West-Palast ist mit Asbest belastet, unter anderem deswegen wurde er 2014 geschlossen. Eine Kostenschätzung aus 2012 geht von Sanierungskosten bis zu 330 Millionen Euro aus. Mittlerweile dürften die Kosten noch höher liegen. Anders als beim Palast der Republik hält Berliner Politik trotz allen Widrigkeiten am Bauwerk fest.

Auch wenn die Pläne für die Zukunft erst am Mittwoch vorgestellt werden, ist schon durchgesickert, wer das »Raumschiff« wieder auf Kurs bringen soll. Wie die «Morgenpost« berichtet, ist die Wahl auf die Betreiber des Leipziger Kunst- und Kreativkomplexes »Spinnerei« gefallen. Das Konsortium aus Immobilienunternehmen und einem Baukonzern soll dem Bericht zufolge das landeseigene Gebäude für 99 Jahre in Erbpacht erhalten. Fördergelder vom Land sind nicht geplant, aber die Investoren sollen das Parkhaus des ICC abreißen und neu bebauen dürfen. Im Gespräch ist anscheinend der Neubau von einem Hotel. Der »Muckefuck« ist gespannt, ob das ICC in Zukunft wirklich wieder genutzt werden kann, oder ob dort die nächste Berliner Bauruine entsteht.

Bild des Tages

Könnte tatsächlich ein Raumschiff sein: Das ICC direkt neben der Autobahn A100 | Foto: dpa/Soeren Stache

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Nicht mit Schad- sondern mit Genussstoffen beschäftigen sich Cannabis-Konsumvereinigungen. Nachdem Kiffen 2024 legalisiert wurde, können sich passionierte Cannabis-Konsument*innen zusammentun und Cannabis-Social-Clubs gründen. In diesen wird kollektiv Hanf angebaut und die geernteten Blüten zum Selbstkostenpreis an Mitglieder abgegeben. So weit die Theorie. In der Praxis stehen die Clubs aber vor erheblichen Problemen.

Bislang haben sich in Berlin 42 Kollektive in den Bürokratiedschungel gewagt und eine Genehmigung beim zuständigen Landesamt für Gesundheit und Soziales beantragt. Tatsächlich ans aktive Hanf-Gärtnern konnten sich aber nur 14 Vereine machen – 60 Prozent der Anträge wurden abgelehnt. Das hat der Grünen-Abgeordnete Vasili Franco vom Senat erfragt.

»Trotz Verschleppung und hohen Hürden haben sich mit viel Mühe, Sorgfalt und Investitionskosten erfolgreich Anbauvereinigungen für über 5000 Mitglieder etabliert«, konstatiert Franco. Aber den Clubs werde das Leben schwer gemacht und so die Cannabisgesetzgebung torpediert. »Jedes Gramm und jeder Konsument, die der Schwarzmarkt an eine Anbauvereinigung verliert, tragen der Eindämmung des illegalen Handels und der organisierten Kriminalität bei«, ist sich Franco sicher.

Eins der Probleme, mit denen sich die Anbauvereinigungen auseinandersetzen müssen, sind schwammige Vorgaben dazu, was als Information und was als Werbung gilt. Denn auch wenn die Anbauvereinigungen über sich informieren dürfen, gilt je Art von kommerzieller Kommunikation, auch indirekte, als Werbung für Cannabis und kann mit einem Bußgeld belegt werden. Das ist auch schon der Fall, wenn diese Kommunikation als Werbung wahrgenommen wird. Nach einer kursorischen Recherche kann der »Muckefuck« aus den Untiefen des Internets berichten: Diejenigen Berliner Anbauvereinigungen, die überhaupt eine Homepage haben, weisen auf dieser eigentlich nur darauf hin, dass sie existieren.

Grünen-Politiker Franco kritisiert die weiten und unklaren Vorgaben und fordert, der Senat solle klare und einheitliche Kriterien aufstellen. Mit der bisherigen Praxis würden mögliche Sanktionen wie ein Damoklesschwert über den Vereinen hängen. »Ich habe die bestehenden und genehmigten Anbauvereinigungen als sehr gewissenhaft wahrgenommen. Da hat keiner das Interesse zu tricksen, ganz im Gegenteil wollen alle vorab klare und verständliche Regeln.« Von den Anbauvereinigungen werde eine hohe rechtliche Präzision verlangt, während der Senat nur schwammige Leitplanken liefere. »Wer legale Strukturen stärken will, muss ihnen auch Rechtssicherheit geben«, so Franco.

Für Kiffer*innen, die angesichts dieser Hürden vor dem kollektiven Gärtnern zurückschrecken, bleibt wohl nur der individuelle Anbau auf dem Balkon. Bis zu drei Cannabispflanzen pro Person erlaubt das Gesetz. Bei einer möglichen Ernte von 30 bis 50 Gramm Rauchware pro Pflanze muss man sich dann aber schnell ans Konsumieren machen. Weitergeben darf man die Ernte nämlich nicht und legal aufbewahren kann man nur 50 Gramm.

Bleibt bei Kaffee und Kippe:
David Rojas Kienzle
Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
Ich trage zur Kaffeekasse bei!

Was heute noch wichtig ist:

Yescon 2026: Größte Krebs-Konferenz Deutschlands in Berlin

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Salim Nasereddeen

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Peter Nowak

Aufgemuckt

»Wir wollen, dass sich niemand mit Krebs alleine fühlt – weder die Erkrankten, noch die Angehörigen.«

Tobias Korenke
Geschäftsführer der Yeswecan!cer gGmbH

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Und später:

Heute, 22. 06. 2026 um 19.00 Uhr
FMP1
Salon
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin
Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine kurze Voranmeldung: https://pretix.eu/Muenzenberg/Enteignung/

Wem gehört der Reichtum?

Der Volksentscheid zur Fürstenenteignung im Juni 1926 war ein bemerkenswertes Ereignis: erstmals wurde direkte Demokratie auf nationaler Ebene ausprobiert. Aufgrund eines nicht erfüllten Quorums konnte das ursprüngliche Anliegen, den ehemals regierenden Adel entschädigungslos zu enteignen, nicht erreicht werden. Dennoch: Mehr als 14 Millionen Menschen hatten sich für die Initiative ausgesprochen. In den vergangenen Jahren wiederum hat ein weiterer Volksentscheid für Furore gesorgt: Unter dem Motto „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ stimmte im September 2021 eine deutliche Mehrheit der Stadt für die Vergesellschaftung der Berliner Bestände großer Immobilienunternehmen. Welche Verbindungen sich ziehen lassen, wird heute im FMP1 diskutiert.

Video des Tages

Nicht nur in Berlin haben Cannabis-Konsumvereinigungen mit Bürokratie zu kämpfen. Ein besonders skurriler Fall spielt sich in Hamburg ab | YouTube, extra 3

»Klassentreffen« ist ein Podcast über Klasse, Krise und Kultur mit Olivier David. Jeden Monat neu auf
dasnd.de/klasse


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