Muckefuck. Berlin. Links. Ungefiltert.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Attacke gegen Andersdenkenden:
Linke-Politiker in Lichtenberg mit Flasche beworfen

Angriff auf die Versammlungsfreiheit:
Wegner will Versammlungsfreiheitsgesetz ändern

Anschlag auf Inklusion:
Behinderte Kinder besuchen mehrheitlich keine Regelschulen
Guten Morgen,

wer sich gegen Nazis engagiert, ist in Berlin nicht sicher. Erfahren musste das in der Nacht auf Mittwoch Lasko Schleunung. Der Linke-Nachwuchspolitiker wurde Opfer einer brutalen Attacke – und das nicht zum ersten Mal. Ein unbekannter Mann beleidigte ihn bei einem nächtlichen Spaziergang im Nibelungenpark zunächst als »dumme Zecke«. Anschließend folgte ein handfester Angriff: Eine Glasflasche flog gegen den Hinterkopf des 19-Jährigen.

Schleunung flüchtete aus der Parkanlage, eine Anwohnerin alarmierte die Rettungskräfte. Schleunung kam mit einer Verletzung am Kopf für eine stationäre Behandlung in ein Krankenhaus. Der Staatsschutz ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der Angegriffene ist in Lichtenberg bekannt wie ein bunter Hund: Trotz seines jungen Alters hat Schleunung in dem Ostbezirk schon einiges bewegt. Innerhalb des Bezirksverbands der Linkspartei war er am Aufbau einer »Arbeitsgruppe Antifaschismus« beteiligt. Für die Sozialisten ist er auch Bürgerdeputierter in der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung. Auch außerhalb der Partei engagiert er sich vielfältig. So ist er in einer Kirchengemeinde aktiv und unterstützt Tierschutzprojekte. Für sein Engagement erhielt er mehrere Preise.

Schleunung war bereits in der Vergangenheit Opfer rechter Angriffe. 2021, damals gerade mal 14 Jahre alt, wurde er vor einem Infostand am Bahnhof Lichtenberg von einem ortsbekannten Neonazi attackiert und am Arm verletzt. Im Frühjahr 2025 gingen bei der Geschäftsstelle der Lichtenberger Linken dann an ihn persönlich gerichtete Morddrohungen ein. »Lasko töten«, hieß es unverblümt in den anonymen Brief. Den Worten folgten Taten. Im März 2025 wurde er zunächst bespuckt, im Mai desselben Jahres attackierte ein Unbekannter Schleunung nachts in einem Park mit einem Faustschlag auf den Hinterkopf. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und musste mehrere Tage im Krankenhaus verbringen. »Der Kampf muss weitergehen«, sagte Schleunung damals.

Die wiederholten Angriffe auf den antifaschistisch aktiven jungen Mann stehen nicht isoliert: 891 extrem rechte und diskriminierende Vorfälle dokumentierte die Lichtenberger Registerstelle für 2025. Dies ist der Höchststand seit Bestehen des Registers. 39 Mal kam es demnach zu gewalttätigen Angriffen. Rechte attackierten ihre Opfer unter anderem in S-Bahnen, in Supermärkten oder auf offener Straße. Das jüngste Opfer war ein zwölfjähriges Mädchen, das in Neu-Hohenschönhausen von einer Frau zunächst rassistisch beleidigt wurde. Als sich das Mädchen in einen Hauseingang flüchtete, folgte die Unbekannte ihr und schüttelte sie so heftig, dass das Kind ärztlich behandelt werden musste. Lichtenberger Zustände.

Bild des Tages

Der U-Bahnhof Nollendorfplatz erhält anlässlich des Pride-Monats einen Namenszusatz. | Foto: dpa/Jens Kalaene

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80 Jahre, 80 Seiten
Bald könnte es schwieriger werden, den Widerstand gegen die rechte Gewalt zu organisieren. Denn die CDU will die Versammlungsfreiheit in Berlin empfindlich einschränken. In Form des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner fordern die Konservativen, den Begriff der »öffentlichen Ordnung« an mehreren Stellen im Versammlungsgesetz festzuschreiben. Der puddingartig dehnbare Begriff könnte dann genutzt werden, um Demonstrationen nach willkürlichen Kriterien mit Auflagen zu belegen oder ganz zu verbieten.

Anlass für Wegners Ausflug in autoritäre Sphären ist eine tatsächlich unappetitliche Demonstration am Samstag: 600 Menschen hatten sich am Gendarmenmarkt in Mitte versammelt, um vorgeblich das schiitische Aschura-Fest zu begehen. Gezeigt wurde dann jedoch Bilder iranischer Mullahs und des Hisbollah-Anführers Hassan Nasrallah. Der Begriff »öffentliche Ordnung« im Versammlungsgesetz hätte das indes kaum verhindern können. Denn im Vorfeld war der fundamentalistischer Charakter der Demonstration nicht erkennbar. Welche Chancen Wegners Repressionsträume auf reale Umsetzung haben, hat unsere Innenexpertin Jule Meier herausgefunden.

Gibt die Hoffnung auf rote statt braune Platten im Berliner Osten nicht auf:
Marten Brehmer
Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen:
Ich trage zur Kaffeekasse bei!

Was heute noch wichtig ist:

Stahl aus Hennigs­dorf: Tradition und Zukunft

Verein der Stahl- und Walzwerker eröffnet Treffpunkt in der ehemaligen Wache der Betriebsfeuerwehr.

Andreas Fritsche

Das »schönste« Konzentrationslager

Vor 90 Jahren kamen die Häftlinge des KZ Esterwegen nach Sachsenhausen. Sie mussten dort ein neues Lager errichten. Die Gedenkstätte erinnert daran.

Andreas Fritsche

Inklusive Bildung: Eher Wunsch als Wirklichkeit

Studie: Mehrheit der Kinder mit Behinde­rungen besucht not­ge­drungen Förder­schulen. Die Voraus­setzungen für gemein­sames Lernen sind meist nicht gegeben.

Finja Wolf

Aufgemuckt

»Kai Wegner ist keine Gelegenheit zu blöd, um seine autoritären Forderungen zu verbreiten.«

Niklas Schrader (Linke)
Innenpolitischer Sprecher

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Und später:

ab 02. Juli um 17 Uhr
Museum des Kapitalismus
Köpenicker Str. 172, 10997 Berlin


Ausstellung: Zur Wohnungsfrage. Historische und aktuelle Kämpfe ums Wohnen

Der Kapitalismus formt unseren Alltag nach Regeln des Profits. Diese Regeln schlagen sich auch im Zusammenleben in der Stadt nieder, indem öffentliche Plätze und Orte kommerzialisiert werden und Wohnraum als Ware behandelt wird. Vermieter*innen profitieren davon, Wohnungen zu vermieten, wohingegen die Mieter*innen einen erheblichen Anteil ihres Einkommens dafür aufbringen müssen, jeden Monat ihre Miete zu bezahlen. Dieser Gegensatz hat mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert in Berlin zu Kämpfen um ein Stadt jenseits kapitalistischer Verwertungslogiken geführt. Sie dauern bis heute an. In diesen Kämpfen wurde um bezahlbare Mieten genauso gerungen, wie um eine Stadt, die für alle da ist. Die Ausstellung stellt in historischen Tiefenbohrungen diese Kämpfe um ein Berlin jenseits der Kapitallogik dar.

Video des Tages

Nach dem Angriff im Mai 2025 porträtierten wir Lasko Schleunung im Video | Quelle: Tiktok/ndaktuell

»Klassentreffen« ist ein Podcast über Klasse, Krise und Kultur mit Olivier David. Jeden Monat neu auf
dasnd.de/klasse


Podcast: »Klassentreffen«

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