nd.DieWoche

50 Jahre Punk

Die Musik der Selbstermächtigung hat Geburtstag

10. April 2026 | Nr. 15

Regina Stötzel

Regina Stötzel
Redaktion nd.DieWoche

Liebe Leserinnen und Leser,

vor 50 Jahren wurde Punk in den USA erfunden und dann in England schnell die neue Musik und Mode. Drei Akkorde auf der Gitarre reichten, um eine Band zu gründen und das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Die Botschaft lautete wie schon bei der Revolte von 1968: Man kann es, man tut es. Zwar gab es Vorläufer, aber 1976 gab es die erste Platte der Ramones.

und auch ein neues Wort dafür: Punk, was eigentlich »Versager« heißt. Aber das war von Anfang an ironisch. Punk sagte: Wir bekennen uns zu Krise und Künstlichkeit. In einem der ersten deutschen Punklieder hieß es: »Zurück zur U-Bahn, zurück zum Beton / da ist der Mensch noch Mensch / da gibt’s noch Liebe und Glück«.

Diese Musik war schneller, direkter und lustiger als das alte Zeug und so sollte auch das Leben sein. Deshalb war der Begriff »No Future« vor allem für die langweilige Welt der anderen gedacht. Denn Punks waren zwar irgendwie links, aber vor allem gegen alles, wie Moses Arndt im Interview erzählt.

Er kandidierte früher für die Pogoanarchisten und sitzt heute für die Linkspartei im Bundestag. Wichtig war in seiner Jugend, dass Punks auch wie welche aussahen, das Feindbild der Spießer musste stimmen. Wer keine abstehenden Haare hatte, brauchte gar nicht erst aus dem Haus gehen. Heute haben junge Menschen mit haarigen Stacheln auf dem Kopf Seltenheitswert, die Sicherheitsnadel wird wieder im Nähhandwerk eingesetzt und mit einer Ratte auf der Schulter kann man niemanden mehr schocken. Aus wilden Punkmusikern wurden anspruchsvolle Popkomponisten, schreibt Frank Jöricke.

Aber trotzdem: In der DDR war nichts oppositioneller als Punk und niemals waren Feministinnen zorniger als in dieser Musik, wie Juliane Streich betont.

Und auch heute bleibt Hardcore-Punk oppositionell gegen die herrschende Politik, schreibt Gerald Hanloser.

Allerdings wird die Parole »No Future« immer bedrohlicher. Der US-Präsident droht einen Tag mit der Auslöschung einer ganzen Zivilisation, weil die Weltwirtschaft ins Stocken geraten ist, und freut sich am nächsten Tag schon wieder aufs Geld verdienen. Überall Krieg, Krisen, Klimakatastrophe. Zwar hat sich die »Letzte Generation« schon wieder umbenannt, aber keineswegs, weil Kipppunkte und Kollaps abgewendet wären. »No Future« hat nun wirklich eine rosige Zukunft. Stay Punk!

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Regina Stötzel

Anzeige

nd.derTag wird digital

Karikatur der Woche

Harm Bengen

Nicht verpassen:

Cables of Resistance

Eine Konferenz will Widerstand gegen KI-Dystopien und Big-Tech auf die
Beine stellen.

David Rojas Kienzle

mehr »

Politisch Busfahren

Von Geflüchtetenprotest bis Klimacamp: Der Solibus bringt alle zur Aktion.

Niels Seibert

mehr »

55. Tag der Roma

Ein gängiges Stereotyp spricht Romanis eine eigene Geschichtsschreibung ab.
Von wegen!

Sémil Berg

mehr »

Lesen Sie außerdem:

Israel bombt weiter

Libanon Israel bombt weiter Trotz des von Pakistan vermittelten Waffenstillstands führt Israel weiter Krieg im Libanon. Die Straße von Hormus bleibt vorerst geschlossen Oliver Eberhardt Im Libanon wachten die Menschen am Donnerstag in Erwartung eines weiteren Kriegstages auf. In Israel hingegen herrschte zum ersten Mal seit Wochen wieder so etwas wie Normalität, als im sozialen Netzwerk X ein Tweet erschien …

Von Oliver Eberhardt

mehr »
03po-09042026-libanon krieg israel

Ungarn: Orbán am Ende?

07po-09042026-ungarn
Ungarn Orbán am Ende? Ungarn: Orbán am Ende? Ungarns Ministerpräsident könnte an Korruption und Wirtschaftskrise scheitern Nach 16 Jahren einer immer nationalistischeren und autoritäreren Herrschaft könnte nicht nur Ungarn, sondern ganz Europa aufatmen Edmond Jäger Dass Viktor Orbán mit seinem Fidesz die Wahl am Sonntag gewinnt, ist unwahrscheinlich. Insgesamt sechs Umfragen verschiedener regierungsunabhängiger Institute sagen seinem Herausforderer Péter Magyar und …

Von Edmond Jäger

mehr »

Anzeige

nd die.Woche

Paris verlässt Euro­drohne-Projekt – und Rom kauft in der Türkei

Schwere Kampfdrohne Paris verlässt Euro­drohne-Projekt – und Rom kauft in der Türkei Kosten für Deutschland, Italien und Spanien sollen jeweils um mehr als 700 Millionen Euro steigen Matthias Monroy Frankreich wird sich aus dem multi­natio­nalen Programm zur Entwicklung einer europäischen Kampfdrohne der Kategorie »Male« (mittlere Flughöhe, lange Ausdauer) zurückziehen. Das bestätigte Verteidigungsministerin Catherine Vautrin am Mittwoch vor den Abgeordneten der Nationalversammlung. …

Von Matthias Monroy

mehr »
w05pa-09042026-Eurodrohne

Zehn Festnahmen nach Brandanschlag auf Rüstungsfirma

w05pa-09042026-Pardubice-Festnahmen
Pardubice/Tschechien Zehn Festnahmen nach Brandanschlag auf Rüstungsfirma Nach der Sabotage einer militärischen Produktionshalle in Pardubice wird inzwischen europaweit ermittelt – auch zwei US-Bürger*innen wurden verhaftet Matthias Monroy In den Ermittlungen zum Brandanschlag auf das Rüstungsunternehmen LPP Holding im tschechischen Pardubice wurden inzwischen insgesamt zehn Personen festgenommen. Das bestätigten Behörden aus mehreren beteiligten Staaten. Fünf der Beschuldigten befinden sich in Tschechien …

Von Matthias Monroy

mehr »
»Klassentreffen« ist ein Podcast über Klasse, Krise und Kultur mit Olivier David. Jeden Monat neu auf
dasnd.de/klasse


Podcast: »Klassentreffen«
»Europa to go« ist ein Podcast, der dich mit ins »Herz« der EU nimmt. Begleite uns nach Brüssel und erfahre mehr über Institutionen wie das Europäische Parlament, was dort entschieden wird und warum dich das etwas angeht.

dasnd.de/europa-to-go

Podcast: »Europa to go«

Anzeige

Freiwillig zahlen
Schlauer ist man nachher immer

Ihre Redaktion nd.DieWoche
Am Kiosk, online oder in Ihrem Briefkasten.
custom instagram facebook custom youtube custom website