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Ihre Tagesvorschau für den 24. Juli 2025

Matthias Monroy
Ressort Politik

Liebe Leser*innen,

unsere Zeitung hat schon mehrmals über Künstliche Intelligenz im Gaza-Krieg berichtet: Er dient Israel als Experimentierfeld für diese disruptive – also radikal neue – Technologie. Systeme generieren Tötungslisten, schlagen zu bombardierende Gebäude vor oder orten Zielpersonen für Luftschläge – oft mit tödlichen Folgen für ganze Familien. Die israelische Armee spricht dazu stolz von der »ersten KI-Kriegserfahrung« der Welt. Dass Konzerne wie Palantir oder Google mitmischen, ist bekannt – wie deutsche Rüstungsakteure und Ministerien auf diesem Feld bereits Netzwerke knüpfen, ist es weniger. Die Umsetzung könnte im Rahmen eines deutsch-israelischen »Cyber- und Sicherheitspakts« erfolgen, den Innenminister Dobrindt vorantreibt. Ein pro-israelischer Lobbyverband hat dazu bereits das Feld geebnet. Diese Initiative wird flankiert von Firmen wie Lufthansa, dem Panzergetriebebauer Renk und – hätten Sie es gedacht? – Dussmann. Lesen Sie also, wie Deutschland von Gaza als Tech-Testlabor profitieren soll.

Neben dem todbringenden Einsatz dient die Technologie in Deutschland auch zur digitalen Verfolgung: Das Projekt »Decoding Antisemitism« will per Sprachmodell pro-palästinensische Kommentare aus dem Netz filtern – und klassifiziert etwa die Verwendung der Begriffe Apartheid oder Genozid, den Verweis auf Boykottkampagnen oder getötete Kinder als antisemitisch. Grundlage sind Trainingsdaten aus 103 000 Postings – jedoch bleibt die Methodik weitgehend unklar und stellt sich damit keiner unabhängigen Prüfung. Über dieses Beispiel, wie Künstliche Intelligenz nicht nur zielt sondern auch still zum Schweigen bringt, berichtet für uns Daniel Weissmann.

Eine interessante Lektüre wünscht
Ihr Matthias Monroy

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