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Ihre Tagesvorschau für den 23. August 2025

Martin Ling

Martin Ling
Ressort Politik

Liebe Leserinnen und Leser,

monatelang haben Hilfsorganisationen gewarnt, jetzt ist es offiziell: Die weltweit als Autorität für Ernährungssicherheit anerkannte IPC-Initiative hat für die Stadt Gaza und einige Nachbarorte eine Hungersnot erklärt. Israel hält derweil an seinem Plan fest, die Stadt einzunehmen. Verteidigungsminister Israel Katz drohte sogar, sie zu zerstören, sollte die Terrororganisation Hamas nicht Israels Forderungen wie die Freilassung aller Geiseln akzeptieren. Vor einer Großoffensive will Israel rund eine Million Einwohner der Stadt im Norden des Gazastreifens umquartieren.

Auch Palästinenser, die in Deutschland leben, leiden angesichts des Kriegs in der Heimat ihrer Familien. Salma ist Palästinenserin aus dem Libanon, ihr Freund Yassin kommt aus Dschabaliya im Norden Gazas. »Uns geht’s allen scheiße«, meint Salma in einer nd-Reportage von Miriam Wirsing. »Ich habe mich im Winter oft krankgemeldet. Instagram mache ich nur noch selten an. Wenn ich ein Reel aus Gaza sehe, kann ich nicht mehr arbeiten. Manchmal kann ich auch nicht mehr essen«, sagt sie.

Salma ist vor knapp zehn Jahren als Jugendliche nach Deutschland gekommen. Ohne Eltern hat sie ihr Leben in Berlin allein aufgebaut. Sie lernte Deutsch, machte ihren Schulabschluss, eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitet seitdem in einer Kita. Sie achtet auf Kinder, das ist ihr Beruf. »Kinderschutz ist in Deutschland so wichtig«, sagt sie. »Ich verstehe nicht, warum die Politiker sich nicht wenigstens über das Töten der Kinder empören. Das sind doch auch Kinder!«

»Die Solidarität der Menschen ist das Einzige, was Mut macht«, sagt sie. Mehr bleibt ihr nicht, während sie weiter auf Nachrichten aus Gaza wartet – und auf ein Ende des Krieges hofft, das aber nicht in Sicht ist.

Die politische Verantwortung für diese Barbarei als Antwort auf das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 trägt Israels Regierung mit Benjamin Netanjahu an der Spitze. Die Fakten erhärten die Anklage des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gegen den Politiker, der für seinen Machterhalt über Leichen geht, so nd-Redakteur Peter Steiniger im Kommentar –, auch die der in der Hamas-Gewalt befindlichen Geiseln.

Eine informative Lektüre
wünscht aus dem Politikressort
Martin Ling

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UNTEN LINKS
Und plötzlich beschleicht mich der Gedanke: Hatten die Reaktionäre die ganze Zeit über doch recht? Was ist geschehen? Ich habe kürzlich eine Pizzeria aufgesucht. Eine Pizza Marinara ist, so weiß jeder mit gesundem Gaumen, ein Stück Teig mit Tomatensauce, die mit Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten belegt wird. Käse schadet nicht. Einige geben Oliven oder Kapern dazu. Hier allerdings wurde eine Pizza mit Meeresfrüchten als Marinara tituliert. Das Pseudoitalienisch der Betreiber hat sie auf die falsche Fährte gelockt. Da in dem sogenannten Restaurant zwischen den Angestellten Türkisch als Verkehrssprache gewählt und damit geworben wurde, dass die Speisen helal seien, nehme ich an, dass dieser Italiener mit Italien nichts zu tun hat (wie so oft in Berlin). Ist Multikulti also wirklich gescheitert? Ich spreche offen zu Ihnen: Was Eigentumsfragen angeht, bleibe ich ein Linker; aber in gastronomischer Hinsicht bewege ich mich an den rechten Tellerrand.

Erik Zielke

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nd.PRÄSENTIERT

Die Band Malaria Foto: Salzgeber Filmverleih

Einfach machen! She-Punks von 1977 bis heute

Ein Dokumentarfilm von Reto Caduff
Deutschland / Schweiz, 2024
OmeU


Eine Kooperation mit nd, Hofkino Berlin und dem b-ware! Ladenkino.

Tickets vor Ort oder hier.


25. August um 20:45 Uhr
Hofkino
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
Punk ist ein Versprechen – von Rebellion und Selbstermächtigung! Als er Ende der 1970er Jahre von England und den USA aus die ganze Welt erobert, braucht es plötzlich auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz weder Ausbildung noch Perfektion, um sich musikalisch auszudrücken. »Nicht labern, machen!« ist das Motto. Was zählt, ist die Idee und der Mut, sich auf eine Bühne zu stellen. Und das gilt ganz besonders für die Frauen der Szene: In Düsseldorf gründen sich Östro 430, in West-Berlin Mania D, später Malaria!, und in Zürich Kleenex, später LiLiput. Ihre Vorbilder stammen aus England und heißen X-Ray Spex, The Slits, The Raincoats oder Siouxsie Sioux. Es entstehen Songs über weibliche Rollenklischees und Spießertum, über Machos und dogmatische Feministinnen. Es geht um weibliches Begehren und sexuelle Selbstbestimmung. Und immer auch um das Erobern von Freiräumen – innerhalb der männerdominierten Punkszene, aber auch gesamtgesellschaftlich.

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Flashback in die frühen Nullerjahre: Damals lebten Jungmänner noch ihre ganze Toxizität und politische Inkorrektheit aus. In der ZDF-Serie »Chabos« erfahren wir, wie doof das war und ob die Herren seitdem gereift sind.

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Illustration: Teresa Habild

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