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Ihre Tagesvorschau für den 27. August 2025

Matthias Monroy
Ressort Politik

Liebe Leser*innen,

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellt klar, dass er in der Frage eines neuen Wehrdienstes keinen grundsätzlichen Dissens in der Koalition sieht – auch ein Pflichtdienst sei nicht ausgeschlossen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verweist dazu zwar noch auf die Freiwilligkeit, doch auch er will eine massive Vergrößerung der Bundeswehr. Rund 80.000 zusätzliche Soldat*innen sollen rekrutiert werden. Noch fehlen die Strukturen, um eine etwaige Rückkehr zur 2011 ausgesetzten Wehrpflicht sofort umzusetzen, doch Vorbereitungen laufen bereits.Am Mittwoch will das Bundeskabinett den Entwurf für den »Neuen Wehrdienst« verabschieden. Darüber berichtet mein Kollege Anton Benz: Geplant ist ein Fragebogen an alle 18-Jährigen, ab 2028 zudem eine verpflichtende Musterung für Männer. Eine attraktive Bezahlung und zusätzliche Vergünstigungen sollen die Bereitschaft, für die Bundesrepublik notfalls auch zu sterben, erhöhen. Zugleich wächst die Kritik an rechtsextremen Vorfällen in der Bundeswehr: Fast hundert Soldat*innen wurden im vergangenen Jahr wegen entsprechender Verbindungen entlassen.Wie sich die schwarz-rote Koalition gerade in olivgrünem Tarnanzug am engsten zusammenschweißt, unterstreicht das Ringen um den »Neuen Wehrdienst« nun einmal mehr. Wenn Friedrich Merz und Boris Pistorius Einigkeit demonstrieren, geht es fast immer um Militärisches – bei Aufrüstung, Waffenexporten oder jetzt beim Wehrdienstgesetz, erklärt der Kollege Kurt Stenger in seinem Kommentar. Allerdings: Die SPD liefert vor allem die Stimmen, während die Union den Kurs vorgibt.

In Köln hat das Bündnis »Rheinmetall Entwaffnen« sein diesjähriges Camp begonnen. Schon der massive Aufschwung der Rüstungsindustrie im Zuge des Ukraine-Kriegs hat dazu geführt, dass derartige antimilitaristische Proteste weit über die traditionelle Friedensbewegung hinaus Zuspruch finden. Dass auch diese junge Bewegung schon ein Jahrzehnt Tradition hat, beschreibt unser freier Autor Peter Nowak. Die im Raum stehende Wiedereinführung einer Wehrpflicht dürfte das Interesse am Camp in Köln noch einmal steigern – und die antimilitaristische Mobilisierung weiter an Fahrt aufnehmen.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Matthias Monroy

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