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Das war der Tag 27. Mai 2026

Matthias Monroy
Ressort Politik

Liebe Leser*innen,

Das Landgericht Verden hat die 67-jährige Daniela Klette zu 13 Jahren Haft verurteilt – wegen besonders schweren Raubes, erpresserischen Menschenraubes und Verstößen gegen das Waffengesetz. Die als frühere RAF-Angehörige Verdächtigte soll zwischen 1999 und 2016 gemeinsam mit den weiterhin untergetauchten Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub Geldtransporter und Supermarktkassen überfallen haben, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre gefordert, die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe ausschließlich für den nachgewiesenen Waffenbesitz. Bereits vor der Urteilsverkündung kündigte sie Revision an – und legte sie nun sofort ein. Bemerkenswert ist übrigens das Plädoyer von Daniela Klette: Darin bedauerte sie die Traumatisierungen betroffener Kassierer*innen und Geldbot*innen, ohne jedoch eine Aussage zu einer etwaigen Tatbeteiligung zu machen.

Egal wie die Revision ausgeht: Die Bundesanwaltschaft hat kürzlich auch Anklage gegen Daniela Klette wegen Mittäterschaft bei drei RAF-Anschlägen zwischen 1990 und 1993 erhoben. Über diesen zweiten, politisch noch brisanteren Prozess muss nun der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt entscheiden.

Mein Kollege Christian Klemm kritisiert in seinem Standpunkt die Inszenierung des gesamten ersten Klette-Verfahrens: Verhandelt wurde in einer zur Festung umgebauten Reithalle, bewacht von Maschinenpistolen und Sprengstoffhunden – eine »politische Vorverurteilung« der Angeklagten. Dabei seien ausschließlich gewöhnliche Raubüberfälle verhandelt worden, und keine politischen Taten. Das Gericht aber habe so getan, »als ob Andreas Baader persönlich auf der Anklagebank gesessen hätte«. Zwischen 1990 und 2020 tötete die militante Linke vier Menschen, die militante Rechte dagegen 231 – dennoch wird Klette medial und juristisch zum linken Gegenstück einer Beate Zschäpe aufgebaut. Eine Gleichmacherei, die in Zeiten erstarkender rechtsextremer Kräfte mehr als problematisch ist, folgert der Kollege.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Matthias Monroy

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