nd.Kompakt

Das war Freitag, der 7. August 2026

Julian Daum
Ressort Politik

Sprengstoffdrohne von Leipzig: War’s der Russe?

Liebe Leser*innen,

der Vorfall am Flughafen Leipzig-Halle hätte Menschenleben fordern können. Offenbar sorgte ein technischer Defekt an der Sprengstoffladung, die an einer von Airport-Mitarbeitern entdeckten Drohne befestigt war, dafür, dass diese nicht explodierte. Entsprechend beunruhigt sind viele Akteure im politischen Raum. Viele nutzen die Gelegenheit aber auch umgehend, um ihre Interessen ins Spiel zu bringen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger etwa. Er wird von Medienvertretern seit längerem auch nicht mehr als Wirtschaftsvertreter behandelt, sondern als neutraler Sicherheitsexperte. Und so kann er eben nebenbei auch Werbung für seine Produkte machen.

Am Freitag beriet der vor einem Jahr gegründete Nationale Sicherheitsrat über die Ereignisse in der Nacht zum Mittwoch in Leipzig – es gab nämlich noch ein weiteres unbekanntes Flugobjekt, das mit einer Maschine zusammenstieß, die in Leipzig nicht landete, sondern nach Hannover umgeleitet wurde. Nach der mutmaßlichen Drohne suchte auch am Freitag eine Hundertschaft der Polizei.

Die Ko-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, ist sich derweil mit CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter einig: Der Kreml steckt hinter den Drohnenvorfällen. Das könnte zwar sein, aber der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Fiedler gab am Freitag im ARD-Morgenmagazin immerhin zu bedenken, es könne auch jemand hinter dem mutmaßlichen geplanten Sprengstoffanschlag stecken, der „wollte, dass es so aussieht, als wenn es Russland gewesen wäre“.

Kiesewetter, Dröge und Co. ist das egal: Für sie steht fest: Das war russischer Staatsterrorismus. Sie überbieten einander folgerichtig mal wieder mit Straf- und Sanktionsforderungen, was mein Kollege Daniel Säwert höchst irritierend findet.
„Zurückhaltung scheint keine Option mehr zu sein“, konstatiert er. Und so ignorieren die üblichen Verdächtigen munter das im bürgerlichen Gesetzbuch verankerte Prinzip der Unschuldsvermutung – freilich nur, wenn es um den Erzfeind geht.

Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht
Jana Frielinghaus aus dem Politikressort

Anzeige

nd die.Woche

Lesen Sie außerdem:

Indien: »Kakerlaken-Partei« mit zwiespältiger Rolle

Indien: »Kakerlaken-Partei« mit zwiespältiger Rolle
Nach dem Rücktritt des Bildungsministers erklärte die CJP die Studierendenproteste zum Erfolg. Doch Indiens Bildungskrise ist damit nicht gelöst.

Anvita Das*

mehr »

»Krieg als Lifestyle«: Plädoyer gegen Militarisierung des Alltags

Der Kulturwissenschaftler Daniel Hornuff erklärt in einem neuen Buch, warum er ein gesetzliches Werbeverbot für die Bundeswehr fordert.

Peter Nowak

mehr »
»Krieg als Lifestyle«: Plädoyer gegen Militarisierung des Alltags

Artjom Kirpetschjenok: Antizionist von innen

Artjom Kirpetschjenok: Antizionist von innen
Der israelisch-russische Historiker Artjom Kirpetschjenok wurde vom israelischen Geheimdienst festgenommen. Womöglich weil er zu kritisch ist.

Ewgeniy Kasakow

mehr »
UNTEN LINKS
Es gibt Fragen, die man sich stellt, die aber nie zufriedenstellend beantwortet wurden: Warum hat sich nie das Drei-Liter-Auto durchgesetzt? Es gibt auch Fragen, die man sich nie gestellt hat, die die Wissenschaft aber trotzdem beantwortet: Warum waren Dinosaurier nie so klein wie Mäuse? Es macht durchaus Sinn, diese beiden Fragen im Zusammenhang zu betrachten, denn vergleichbar effizient wie das – technisch machbare – Drei-Liter-Auto wäre auch der Drei-Kilo-Dinosaurier gewesen. (Zugegeben, eine Drei-Kilo-Maus wäre eine ziemlich monströse Ratte, aber sehen wir mal über dieses Detail hinweg.) Jedenfalls beträgt die optimale Modalgröße, also der Wert, der in einer Gruppe am häufigsten vorkommen sollte, bei Dinosauriern nur etwa drei Kilogramm, wird aus der Forschung berichtet. Dennoch verhielten sich die Dinosaurier in ihrer Gesamtheit eher wie die Autoindustrie und brachten eher SUV-artige als Mäuseartige hervor. Das nun wiederum soll daran gelegen haben, dass die ökologische Nische der kleinen Größe schon durch Säugetiere besetzt war. Immerhin sind die Dinosaurier dann ausgestorben, wie sieht es also mit den SUVs aus?

Jutta Blume

Anzeige

Genossenschaftsmitglied werden

Alles ist kaputt im Universum von Crippling Alcoholism

Für Metal zu poppig, für Pop zu viel Krach, für die Avantgarde zu schön: Crippling Alcoholism aus Boston waren in Berlin.

Benjamin Moldenhauer

mehr »
Alles ist kaputt im Universum von Crippling Alcoholism

Boomende Branche bleibt auf fossilem Kurs

Boomende Branche bleibt auf fossilem Kurs
Bis 2050 wollen die Reedereien Netto-Null-Emissionen erreichen. Landstrom spielt dabei eine wichtige Rolle, reicht aber bei Weitem nicht aus.

Hermannus Pfeiffer

mehr »
Ihre Redaktion nd.Kompakt
Online oder in Ihrem Briefkasten.
custom instagram facebook custom youtube custom website 
Sie möchten nd.Kompakt nicht mehr erhalten? Sie können sich hier abmelden.

© 2026 nd.Genossenschaft eG, alle Rechte vorbehalten.
Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig: Datenschutzerklärung

nd.Genossenschaft eG
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Deutschland
Registergericht: Amtsgericht Berlin-Charlottenburg GnR 957 B
Umsatzsteuer-ID: DE 349 552 555