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Das war Freitag, der 11. September 2026

Urlike Henning
Ressort Wirtschaft und Soziales

Liebe Leserinnen und Leser,

die jetzige Bundesregierung hat noch nicht einmal die Halbzeit der Legislatur erreicht, aber sie hat auch nicht mehr viel Zeit, um mit ihren Vorhaben Resultate zu erzielen.
Mitunter entsteht der Eindruck, dass manches immer wieder verschoben wird, weil man die Resultate eher nicht sehen will. Es kann kein gutes Ende nehmen, wenn zum Beispiel Pflegebedürftige und ihre Angehörigen immer nur „mehr Verantwortung übernehmen“ sollen. Zusätzlich sollen sie mehr zahlen und sich mit weniger Leistungen zufrieden geben. Dieses Vorgehen gleicht dem Motto von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Deutschen müssten „mehr arbeiten“. Dahinter steckt nicht mehr oder weniger als ein sozialpolitisches Kürzungsprogramm.

Als Drohkulisse malt der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann eine in den 30er Jahren kollabierende Pflegeversicherung an die Wand. Vermutlich rechnet der Volkswirt ganz einfach: Mehr Pflegebedürftige, zu hohe Ausgaben – also Ausgaben runter. Die wachsende Zahl der Anspruchsberechtigten kann also nicht die Leistungen erhalten, die heute üblich sind. Für die Finanzen der Pflegeversicherung sicherlich gut. Aber was das für Menschen, für ganze Familien bedeutet, scheint eher nebensächlich. Und noch ist nicht sicher, ob Linnemann seine Ankündigung wahr machen kann, dass die Rentenansprüche der pflegenden Angehörigen nun doch nicht gekürzt werden sollen.

Schon heute sind vor allem in höherem Alter viele Menschen chronisch krank. Leiden wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen schreiten schneller voran, wenn die Patienten nicht gut betreut und in ihren Therapien nicht sicher eingestellt sind. Genau diese Patienten haben relativ viele Arztkontakte und sie benötigen oft auch Hausbesuche. Die Hausärzte allein kommen hier nicht nach, aber sie sollen bei der Neuordnung der ambulanten Versorgung noch mehr Ausgaben übernehmen, unter anderem in der Notfallversorgung. Würde die Politik auf die Berufsgruppe hören, ließe sich sicher einiges in der Versorgung verbessern, unter anderem durch den Einsatz von besonders qualifizierten nichtärztlichen Beschäftigten – wie die sogenannten Community Health Nurses, ein neuer, akademischen Pflegefachberuf. Das Konzept ähnelt der historischen Gemeindeschwester. Notwendig wäre aber, solche Veränderungen in der Versorgung von Anfang bis Ende gut durchzuorganisieren. Das dürfte länger dauern als nur eine Legislaturperiode, erst recht, wenn man erst in deren Mitte mit Reformen anfängt.



Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht
Ulrike Henning
Redakteurin Soziales, Gesundheit, Medizin

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