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01.10.2026

nd.Kompakt

Das war Mittwoch, der 7. Oktober 2026

Jana Frielinghaus
Ressort Politik

Liebe Leser*innen,

es waren Attacken, die in ihrem Ausmaß und ihrer Brutalität ohne Beispiel in der Geschichte der israelischen Gesellschaft waren: Am 7. Oktober 2023 durchbrachen Kämpfer des militärischen Arms der Hamas und anderer Milizen an mehreren Orten die Grenze von Gaza nach Israel und ermordeten wahllos Männer, Frauen, Kinder. Am Ende waren mehr als 1200 Menschen tot, 250 hatten die Angreifer nach Gaza verschleppt.

Ebenso beispiellos war der Krieg, mit dem Israel noch am selben Tag Gaza überzog und der auch drei Jahre später noch immer nicht zu Ende ist. Schon nach wenigen Monaten waren Zehntausende Bewohner*innen des Küstenstreifens tot, in ihrer großen Mehrheit Zivilist*innen. Über das Gedenken an diesem Jahrestag berichtet mein Kollege Cyrus Salimi-Asl. Er konstatiert, dass öffentliche Veranstaltungen nur in Israel möglich sind. Denn in Gaza herrscht weiter Krieg. Und im weitgehend israelisch besetzten Westjordanland gab es auch am heutigen 7. Oktober wieder Tote.

Shaked Spier, Leiter des Israel-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv, schildert, wie sich die israelische Gesellschaft seit dem 7. Oktober 2023 verändert hat, autoritärer und repressiver gegen arabisch-palästinensische Israelis und gegen die wenigen Linken geworden ist, die zum Beispiel den Dienst in der Armee verweigern. Vor der Parlamentswahl Ende des Monats wächst zudem die von der Polizei ausgehende Bedrohung. Am Wahltag könnte sie eingreifen – etwa durch ihre Präsenz vor Wahllokalen in arabischen Städten und Vierteln oder durch die Kontrolle vorgeblicher Missstände in Wahllokalen. Außerdem bestünde die Möglichkeit, dass die Polizei, wie bereits in der Vergangenheit, rechte Paramilitärs auf der Straße gewähren lässt, die am Wahltag Wähler*innen einschüchtern, Wahllokale blockieren oder die Auszählung stören könnten.

Der israelische Journalist Shlomi Eldar gehört zu jenen Medienschaffenden, die detailliert recherchiert haben, dass Premier Netanjahu erhebliche Mitverantwortung für das Massaker vom 7. Oktober trägt, vor dem er, das ist mittlerweile nachgewiesen, von mehreren Seiten vorab gewarnt worden war. Mit Eldar hat Elisabeth Fleury von unserer französischen Partnerzeitung »L’Humanité« gesprochen, wir haben das Interview für Sie übersetzt.


Eine aufschlussreiche Lektüre wünscht
Jana Frielinghaus

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UNTEN LINKS
Kürzlich war wieder mal Deutschlandtag. Oder wie das heißt. Wenn das überhaupt einen richtigen Namen hat. Dieser 3. Oktober jedenfalls. Offenbar das einzige positiv besetzte Datum in der gesamtdeutschen Geschichte seit 1871. Seit es diesen Klump gibt, dieses Riesenareal, das eigentlich fast immer aus Hunderten kleinerer, sympathischerer Staaten bestand. Der Klump war also mal ein paar Jahre lang in zwei Länder unterteilt. Dann nicht mehr. Who cares. Mehr habt ihr nicht?
Ich würde nicht mal sagen, dass mir ein bisschen Heimatgefühl fremd wäre. Als Student in Göttingen habe ich sogar eine Schleswig-Holstein-Flagge angeschafft, um mir im Niemandsland kurz vor Hessen einen Hauch Heimat zu verschaffen.
Regionalflaggen, das geht irgendwie. Das ist nicht 100 Prozent peinlich. Nur 90 Prozent. Aber Schwarz-Rot-Gelb? Oder Gold? Weiß irgendwer, was diese scheußlichsten aller Nationalfarben uns zu sagen haben? Vage las man mal, dass das die Farben einer Burschenschaft sind. Aus Jena. Die in der Nationalbewegung 1848 eine Rolle spielte. Aber warum Rot? Warum Schwarz? Und Hauptfrage in meinem Kopf: Was zur Gülle habe ich als Ostseekind mit Jena zu tun? Was geht mich diese behauptete Nation »Deutschland« an?
Die meisten Länder haben irgendetwas Schönes, Gemeinsames, über das sie sich freuen können. Aber Klumpdeutschland? Krieg, Krise, Krieg. Massenmord. Ludwig Erhard. Das Land, das niemand spürt, außer man trinkt und grölt es sich zurecht. Ich käme gut ohne es aus und legte mich an den Ostseestrand meiner Wahl, mit Möwen, mit Muscheln und mit Fähren nach Schweden.

Klaus Ungerer

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nd.DISKUTIERT

Foto: Paul Lichtblau

Das Kottbusser Tor als Versuchslabor einer neuen Sicherheitspolitik
Eine Veranstaltung vom "nd" und CILIP zu KI-gestützter Videoüberwachung in Berliner Kiezen

16. Oktober um 19:00 Uhr
Aquarium, Skalitzer Straße 6
U-Bhf. Kottbusser Tor
An kaum einem anderen Ort in Berlin werden so viele Instrumente polizeilicher Sonderbefugnisse ausgetestet wie am Kottbusser Tor. Seit August testet die Berliner Polizei dort nun ein neuartiges Videoüberwachungssystem: KI-gestützte Kameras analysieren Bewegungsmuster in Echtzeit und bewerten die gefilmten Personen auf eine vermeintliche Gefährlichkeit.

Was bedeutet es, wenn ein Kiez wie der „Kotti“ oder der „Görli“ zum Testfeld für Überwachungstechnologien wird? Und was können Anwohner*innen und eine Bürgerrechtsbewegung tun, um sich gegen diese autoritäre Entwicklung zu wehren? Darüber wollen wir mit Expert*innen aus Datenschutz und Polizeirecht und mit Aktiven aus dem Kiez direkt vor Ort diskutieren.

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